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Yolk 6/2001
von Alex Luu

übersetzt aus dem Englischen: von M. Köhler


In den letzten 15 oder so Jahren hat das Hollywood „Fliessband“ mehr als nur eine Handvoll Kampfkunst-Action-Stars am laufenden Band produziert, die Anspruch auf den einst vom verstorbenen Bruce Lee innegehabten Thron erhoben. Chuck Norris (jeder Zweifler sollte noch mal die klassische Kampfszene am Ende von „Return of the Dragon“ zwischen ihm und Lee anschauen), Jean-Claude Van Damme (warum macht der Mann immer noch Filme?) und Steven Seagal (wir warten noch auf sein zu filmendes Meisterwerk „The Thinner Man“) hatten erfolgreiche Karrieren gehabt. Wie auch immer andere hatten nicht so viel Glück. Hornochsen wie Don „der Drache“ Wilson (der Mann bewegt sich langsamer als meine Großmutter), Jeff Speakmann  (perfekte Waffe ist mein Hintern) und Olivier Gruner (wer?) sind einfach pathetisch. Trotzdem, führe sie alle zusammen auf und du wirst feststellen, dass sie eines gemeinsam haben. Sie können nicht Schauspielern.  Keine Zahl von Rundschlägen und Sprüngen können die grässliche Tatsache verbergen, dass diesen post-Bruce Lee Nachfolgern ernsthafte schauspielerische Schlagkraft fehlt. 

Was uns auf Mark Dacascos bringt. 

Im Gegensatz zu einigen seiner mehr bekannten Kollegen in diesem Aktion/Kampfkunst Genre, ist Dacascos eine Besonderheit, eine Kampfkunstsensation, die ernsthafte schauspielerische Kompetenz besitzt. Dacascos, der seine Karriere vor mehr als einer  Dekade  in Wayne Wang’s Klassiker „Dim Sum“ begann, verbiss sich in standard Aktion Filme wie „Double Dragon“ (wo er mit einer früh-zänkischen Alyssa Milano spielt), „Only the Strong“ und „American Samurai“. Obwohl man die Filme fast vergessen kann, so zeigen sie doch Dacascos’ Gabe das Physische mit dem Emotionalen auszubalancieren. Während seine Co-Stars in diesen Filmen meist nur spielten, war Dacascos’ Reichweite viel realistischer und kantiger. Dacascos fand ein perfektes Sprungbrett 1995 in „Crying Freeman“, der von Christophe Gans regiegeführte Kulterfolg, der auf dem bekannten Manga-Helden basierte. Mit Freeman fand Dacascos schließlich seinen Weg und befasste sich mit Rollen, die mehr Konflikte aufwiesen oder die Charaktere hatten, was zu seiner ausgezeichneten Darstellung von Eric Draven in der unglücklicherweise kurzlebigen Fernsehserie „The Crow“ 1998 führte.

Ironischerweise sind es wahrscheinlich Dacascos’ Fähigkeiten, die ihn davon abgehalten haben, ein bekannter Name im Pantheon von Hollywood zu werden. Es ist kein Geheimnis, dass die amerikanischen Kinobesucher ihre Aktion laut und blöd mögen. Hauptsächlich werden Aktionfilme, die irgendeinen Anteil von Intelligenz oder Originalität besitzen, als zu komplex und „zu schwer zu verfolgen“ (erinnern Sie sich an die Kritik über den „verwirrenden“ Filmverlauf des ersten „Mission Impossible“ Films?) von Idioten, die besser mit dem Löffel mit dummer extravaganter Aktion und sogar noch dümmeren Aktionhelden gefüttert werden, eingestuft. 

In dem er sich mit Gans im „Pakt der Wölfe“ zusammentat (in den Kinos im Frühjahr 2002) fordert Dacascos wieder einmal die normalen Hollywood Aktionstandards mit einer unvergleichlichen Darstellung als „Mani“ heraus; dem irokesischen Krieger, den eine geheimnisvolle Verbindung zu dem Wolf im Titel des Films verbindet. Ein französischer Film, der eine nahtlose Mischung aus Aktion, historischem Kostüm Drama und Werwolf-Thriller ist. Der Pakt kann der Film sein, der Dacascos zu internationalem Ruhm hochkatapultiert, in dem er physische Kräfte und geistigen Pathos verkörpert. Dacascos flösst mit Leichtigkeit „Mani“ einen Hauch von Geschichte und Menschlichkeit ein, indem er eine unvergessliche Darstellung schafft, die gleichzeitig heroisch als auch sanft ist. 

Während Dacascos gespannt auf die Reaktion der USA auf den Pakt wartet (der Film hat bereits Kinorekorde in Frankreich und Europa gebrochen), setzt sich der gebürtige Hawaiianer mit Yolk zusammen, um über die Themen des Films, des Schauspielens und die Bedeutung der Familie zu sprechen.

 


 

Wie bist Du zum „Pakt der Wölfe“ gekommen?

Ich habe mit  Christophe von 7 Jahren „Crying Freeman“ gemacht. Dort habe ich meine Frau kennengelernt. Ich hatte mit Christophe ca. 3 Jahre nicht gesprochen. Dann rief er meinen Manager an und sagte er hätte etwas am Laufen, sagte nicht, was es war, er sagte nur, er wolle uns treffen. Ein paar Monate später flog der Produzent ein, und erzählte uns den Hintergrund der Geschichte, es war sehr interessant, über französische Kultur, französische Geschichte und wie sie die Geschichte ausschmücken würden. 2 Monate später flog Christophe nach LA, und wir gingen zum Abendessen aus. Er verbrachte gut 2 Stunden damit, uns die Geschichte zu erzählen. Wir verbrachten 2 Stunden und er erzählte von Anfang bis zum Ende, wie er es drehen wollte, über die Charaktere und über den Charakter, von dem er wollte, dass ich ihn spielen solle. Am Ende des Abendessens wollte ich ihn dafür bezahlen, um bei dem Film dabei zu sein.

Der Charakter Mani ist kulturell, physisch und psychisch so anders als die französischen Aristokraten mit denen er täglich zu tun hat. Was hat Dich an ihm so begeistert?

Christophe nannte Mani den „ET“ des Films, da er der Ausserirdische ist. Er ist der komische Kauz, er ist der Seltsame und dennoch ist er wahrscheinlich der natürlichste, naturverbundenste Charakter. Er ist so, wie wir wahrscheinlich vor Jahrhunderten waren. Mani liebt die Natur und ist Teil der Natur. Er liebt die Tiere und die Ehrlichkeit. Diese Zeit in der französischen Geschichte, war vor der Revolution, als die Leute wirklich Wert auf das Klassensystem legten, wer Geld hatte und wer nicht, die Bauern und die Aristokraten etc..

Gab es irgendwelche besonderen Herausforderungen, ihn zu spielen?

Mani lebt und atmet. Er macht, was er machen muss und verändert die Dinge, die er kann und er ist im Frieden mit denen, die er nicht ändern kann. Er hört dem Wind zu. In der westlichen Kultur legt man mehr Rüstungen und mehr Kleidung an, wenn man in die Schlacht zieht. Und dem gegenüber steht Mani, gegen Ende des Films, der weiß, er zieht in den Kampf und er legt seine Kleider ab. Es ist eisig und er legt seine Kleider ab, und ich versuchte herauszufinden, warum er das tat. Es kommt daher, dass die Haut, der ganze Körper, ein großes Organ ist. Und da wir immer Schuhe tragen und Kleidung anlegen, verlieren wir selbst die Empfindung.  Wenn wir Radio hören und so weiter, ohne irgendeine Art von Frieden, töten wir unsere Sinne irgendwo. Er erkennt, dass er, wenn er die Schlacht gewinnen will, im Einklang mit seinem Gegner und noch mehr mit der Umgebung sein muss, und zurückbekommen muss, was er war  bevor er europäisiert wurde. Und schon sind die Kleider weg und er ist in der Lage zu sehen und zu hören und mit der Haut zu spüren.

Ich habe gehört, dass die Produktion lange Zeit gedauert hat. Arbeitest Du so normalerweise gerne?

Ich war 6 Monate in Frankreich. Wir lebten den Film. Es war ein halbes Jahr für einen Film. Sie lebten, atmeten und sprachen den Film. Einige der Schlösser und Burgen stehen heute noch. Sie gab es schon damals, und wir drehten in ihnen. Wir hatten kein Bühnenbild, wir sogen die ganze Geschichte auf. Mein Appartement in Paris war 360 Jahre alt. Es war daher spirituell, physisch und mental eine Erfahrung. Es war nicht nur so, dass man seine Zeit auf einem Filmset verbrachte. Es war mein Leben.

Gibt es etwas von Mani, was Du ihm nacheifern möchtest?

Mani sah nicht die Kleider, er sah das Herz und was in Deinen Augen steht. Manchmal ist es schwer, über das Physische hinaus zu schauen, und ich lernte von meinem Charakter. Er war in der Lage, die Nacktheit der Menschen zu sehen. So möchte ich, Mark, in meinem Leben Tag ein Tag aus sein.

Sprechen wir über die einzigartige Kampfchoreographie im Pakt.

Den meisten meiner Freunde gefiel der Film wirklich, da sie etwas Neues sehen wollten, aber die Hauptkritik einiger anderer Freunde war, was für ein Film das sei. Meiner Meinung nach, muss man ihn wirklich kategorisieren? Kann man ihn nicht nur spüren und Spaß daran haben?

Er ist so anders, als alle Filme, die ich gesehen habe. Er ist so sonderbar, mystisch, erschreckend, nicht zu vergessen, dass man Dich als Indianer Rolle darin hat, der Hongkong Style Kampfkunst praktiziert. 
Es funktioniert alles, aber die Zuschauer müssen mitarbeiten. Es ist kein bedeutungsloser, langweiliger Aktionfilm.

Christophe ist aus Paris und er nahm einen Cinematographen aus Skandinavien, der Editor ist aus Hongkong und der Choreograph, Philip Kwok, ist aus Hongkong. Ich selbst komme aus Hawaii. Christophe ist da in Paris und fügt dieses riesige Puzzle aus Teilen der ganzen Welt zusammen. Für meine Rolle sagte Christophe, er wolle Hongkong Aktion. Ich habe mit ihm an „Crying Freeman“ gearbeitet, daher hatte ich ein Gefühl dafür, was er wollte.
Ich wusste nicht, wie wir es machen würden, aber ich vertraute, dass er gute Teile zusammenfügen würde, um es machbar zu machen. 
Letztlich wurde auf dem Set, wenn gedreht wurde, Kantonesisch, Französisch, etwas Mandarin und Englisch gesprochen. Es war das Babylon der Filmproduktion. Es war großartig, alle diese Kulturen, Sprachen und Ideen so vereint zu sehen, nur für einen Zweck, diesen Film zu machen.
Christophe wollte Hongkong Aktion und das Problem ist, dass Hongkong Aktion phantastisch ist, und dann soll das ganze in einem französisch sprachigen Geschichtsfilm passieren, und du willst, dass ein Teil der Aktion von einem irokesischen Indianer ausgeführt wird. 

Und wie hast Du das alles miteinander verbunden?

Ich habe versucht, dieses gleiche Gefühl von Energie, dieses Flair, diesen Rhythmus und Tempo zu erhalten, und wir wollten Mani irgendwie authentisch sein lassen. Wir wollten  den Hauch von Geschichte beibehalten. Christophe würde sagen: „So soll die Szene verlaufen, ich will von A nach B kommen, und das sind die Bestandteile, die enthalten sein sollen“. Philip würde die Bewegungen choreographieren und dann würde ich, als Mani, sie interpretieren müssen.
Anstatt den Fuß zurückzuschnellen, würde ich ihn lose lassen. Die meisten von uns haben 2 Arme und Beine. In wie vielen Arten kannst Du wirklich kicken? Anstatt  es gerade heraus zu machen, würde ich es locker machen. Ich würde indianisch denken, einfach natürlich sein, einfach nur meinen Fuß auf die Brust des Mannes bringen und ihn aus dem Weg schieben. Die Technik ist nicht von Bedeutung. Daher warf ich die Struktur weg. Anstatt hinzuschlagen und eine Haltung dabei einzunehmen, machte ich dieselbe Bewegung aber liess sie locker. So oder so bewegte sich mein Körper, und ich blieb einfach offen, erholt und locker. Es war wirklich interessant, da ich selbst ein Kung Fu Mensch bin. Ich bin die Genauigkeit und die Formen gewohnt.

Welche Elemente des Films und Mani’s sind Dir lange nach der Produktion noch im Gedächtnis geblieben?

Er geht mit seinen Füssen, in dem er die Erde berührt. Ich habe meiner Frau gesagt, ich würde gerne einen Tag nach Hawaii zurückziehen, weil es etwas besonderes ist, Deine Füße im Wasser zu haben und wirklich auf Mutter Erde zu gehen, auf dem Sand. So einfach ist das.

Was war an dem Film so total anders gegenüber dem, was Du vorher gemacht hast?

Der Film enthält so viele Genres. Er hat so viele Schichten. Wenn Du ihn als schönes, buntes, musikalisches Extravagantes sehen willst, kannst Du das. Du kannst den Dialog weglassen und es ist ein 2 ½ stündiger Kartoon. Wenn Du den religiösen Aspekt betrachten willst, ist er sehr entgegengesetzt, da wir Elemente der Kirche und der verschiedenen Sekten haben, und er stellt Deinen Glauben in Frage. Wenn Du Dir die Aktion anschauen möchtest, dann bietet er verschiedene Arten von Aktion. Es hat ein Thriller Element. Was großes Abenteuer angeht, da nimmt er Dich auf die Reise mit.
Das Gute an dem Film ist, er kann so tiefgründig sein, wie Du ihn für Dich betrachtest. 
Ich habe meiner Frau gesagt, die Eröffnungsszene erinnert an den „Weißen Hai“. Und am Ende findet sich alles zusammen, es ist aber immer noch genug Platz für Deine Vorstellungen. Was die Erfahrung angeht, er ist mit nichts zu vergleichen, was ich bisher gemacht habe.

Der Film spricht auch viel über Auftreten und Erwartungen. Was sind die Erwartungen, die man an Dich stellt?

Während der Dreharbeiten zu „Crying Freeman“ machte ich nicht viele Witze, wenn wir nicht drehten, da meine Rolle keine lustige war. Daher sahen mich die Leute als den ruhigen an. Das erste Mal als mich Christophe sah, sagte er „Du hast sehr traurige Augen, genau was ich brauche.“
Aber ich bin auch von Hawaii und ich habe auch eine frohe Seite und jetzt 7 Jahre später bei den Dreharbeiten zum Pakt, machte ich Witze und sagte all diese fürchterlichen Sachen auf Französisch. Die Crew war verblüfft. Für Vorstellungen bekomme ich immer Angebote für die selbe Art von Rolle, da ich viele Aktionfilme gemacht habe. Und daher denken sie, dass ist die einzige Seite von Mark und das ist alles was ich kann. Das Gute daran ist, ich bekomme die Möglichkeit, überall auf der Welt zu arbeiten und das gefällt mir.
Andererseits ist es ein großes Hindernis. Und das habe ich mir selbst geschaffen, in dem ich viel Aktion gemacht habe, so dass es so aussieht, das sei alles, was ich könne.

Da Du eine Frau und einen Sohn hast, ändern sich Deine Karriereabsichten?

Als Schauspieler ohne Familie ist es wirklich einfach „ich! ich! ich!. Meine Vorstellung, meine Arbeit, meine Karriere.“ Das kann ich ohne Familie machen. Aber jetzt würde ich keine Rolle mehr annehmen, die mich zu lange von meiner Familie fern hält. Ich habe gerade eine Arbeit weitergegeben, die von mir verlangt hätte, in ein fremdes Land für einige Zeit zu gehen. Das Skript war gut, und wenn ich immer noch Single wäre, hätte ich gedacht, das ist lustig, das mache ich. Aber es hat mich nicht genug im Herzen gerührt, um zu sagen. „Ok, ich werde  meinen Sohn 7, 8 Wochen nicht sehen.“ Es lässt einen überlegen, was wirklich wichtig ist.
Wenn Du Dich an Deine Kindheit erinnerst, und dann denke ich an meine, die Zeit als Kind geht so schnell vorbei. Du bist nur eine kurze Zeit ein Baby und ein Teenager, aber Du bist eine lange Zeit ein Erwachsener.
Daher möchte ich, dass solange er noch so klein ist, dass meine Frau und ich so lange wie nur möglich für ihn da sind. Ich möchte ihn nur so sehr lieb haben und ihm zusehen, wie er heranwächst.
Als Schauspieler, wenn ich mein Herz mit einem Haus vergleiche, bedeutet es nicht, wenn man ein Kind hat, das Wohnzimmer herauszunehmen und eine Kinderwiege dort hin zu setzen. Es ist mehr so, das Haus zu erweitern und darauf aufzubauen. Es ist erstaunlich, wie groß Dein Herz werden kann.

Nachdem Du schon so lange im Geschäft bist, was hast Du gelernt?

Da ich Filme und Fernsehen mache, ist es schwer nicht in Dinge reinzukommen, die du siehst, und was die Leute sagen und was die Medien vorantreiben. Da ich in LA wohne, und die Filmindustrie, da kommt man schnell in einen Sog hinein. Oder alles ist nur ein großes Vorsprechen. Du machst Deine Selbstachtung davon abhängig, ob Du als Schauspieler arbeitest oder nicht. Das ist nicht gut und auch nicht echt!

 

 

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