zurueck

 

Interview auf reel.com ca. Januar 2002

übersetzt aus dem Englischen: von M. Köhler


 

Das ist ein wahnsinnig schlammiger Film. Das ist nicht gerade die strahlendste Szene. Wie war es, unter diesen Bedingungen zu arbeiten?

 Es war wahnsinnig schlammig, wahnsinnig dreckig, wahnsinnig unangenehm – und was man im Film sieht ist nur 1/3 von dem, was wir wirklich gedreht haben. Die restlichen 2/3 werden oder sind schon auf der „Special-Edition DVD“ veröffentlicht, die schon in Frankreich im Handel ist.

Tatsache ist, wir haben in den Pyrenäen gedreht. Es war eisig halt. Wenn es nicht von Natur aus regnete, hatten wir große Regenmaschinen. Und wir waren auf einem leichten Hang eines Berges. Es war schlammig, es war strömender Regen. Wir trugen diese Lederkleidung – Samuel und ich zumindest – mit Neoprenanzügen darunter. Die anderen Stuntmen, unsere Feinde, waren als Frauen verkleidet, mit diesem ausladenden Zeug. Und alles war mit Wasser vollgesogen; somit wog jeder zusätzlich 15 Pfund, nur wegen des Wassers.  Du rutschst aus und rutschst. Wir mussten energiegeladene Action spielen, da sind all die Maschinen, all die Kameras und du hast Cast und Crew, die zuschauen.

Es war tatsächlich die erste Szene in dem Film, daher hatten wir viel Energie. Wir wussten, dass wenn wir die Energie halten konnten und eine gute Arbeit abliefern würden, wir den Ton der Action des Films angeben konnten und die Leute wirklich herauslocken konnten. Und daher hatten die Schauspieler und die Stuntmen das Gefühl 110% geben zu wollen, trotz der Tatsache, dass es für uns wahnsinnig unangenehm war und wir diese Neoprenanzüge den ganzen Tag tragen mussten. Es wäre zu schwer gewesen alles auszuziehen und bis man dann wieder einsatzfähig wird. Also waren wir 10 oder 12 Stunden pro Tag völlig durchweicht und froren. Also, ja, es war unangenehm. Es war überhaupt nicht angenehm, aber die Leidenschaft von Cast und Crew und die Energie und wenn die Kamera erst mal anfing, nur die Nervosität, das Gefühl „Ich möchte eine gute Arbeit abliefern“ kam in jedem auf. Es war erstaunlich. Aber es war hart, wirklich hart.

 Auf der Leinwand spielen Du und Samuel Blutsbrüder. Welche Art Beziehung habt Ihr hinter der Kamera entwickelt?

 Fast die gleiche. Wir waren sehr verschieden. Sehr verschieden in Bezug auf die Kultur als auch auf die Sprache; aber ich lache gerne und er hat jedenfalls einen ausgezeichneten Humor.  Er hatte den Vorteil, da sein Französisch wesentlich besser ist als meines. Also wenn ich dachte, ich würde sagen: „Schön Dich zu sehen“, lehrte er mich zu sagen „mit gefällt Dein Hintern“ (lacht). Er liebte es, mich auszutricksen und das war ok, da ich auch viel Spaß hatte. Aber ich denke die Beziehung, die wir vor der Kamera hatten, war die gleiche wie hinter der Kamera. Ich kann mich daran erinnern, dass er vor der ersten Kampfszene mit mir trainieren wollte. Ich sagte: „Ich trainiere früh“. Er sagte „Ok“. Ich sagte: „Ca 1,5 Stunden bevor wir abgeholt werden“. Die Abholzeit war 6 Uhr. Er sagte „Uh... ok.“ Aber es war einfach gut, da wir schon wie unsere Rollen waren. Er war bis spät weg, hat mit den Schönheiten gefeiert; und ich war zu Hause und hab gelernt und gestretcht, es war einfach ausgezeichnet! (lacht). Dann gings ans Aufstehen. Ich hab an seiner Tür geklopft, um ihn aufzuwecken, und wir haben etwas Yoga und einige Kampfkunstübungen gemacht. Sicherlich respektiere ich den Mann, da er wirklich begabt ist und einfach ein netter Kerl ist, und ich hoffe, dass er ebenso empfand. Er war einfach cool.

 Was die Tätowierungen von Mani angeht, haben sie irgendeine Bedeutung?

 Ich trag sie – möchtest Du sie sehen?

 (Lacht). Sicher möchte ich Deine Brust sehen. 

Danke!  Soweit es die Bedeutung angeht weiß ich nur, dass Christophe echte Designs des Stammes benutzte, aber ich kenne die wirkliche Bedeutung nicht. Als Schauspieler hatte ich meine eigene Vorstellung.

Das Verrückte an den Tätowierungen war, dass, wenn ich am Montag oder Dienstag gedreht habe, dann kam der Tatoozeichner am Wochenende vorbei und verbrachte vielleicht 4 Stunden am Samstag und 4 Stunden am Sonntag damit sie anzubringen, da sie mit Markern angebracht wurden. Wenn ich zu viel schwitzte oder zu lange duschte, würden sie anfangen zu verlaufen. Es musste alles per Hand ausgemalt werden. Er hat eine super Arbeit geleistet, aber es hat viel Zeit in Anspruch genommen.

Zusätzlich zum frühen Aufstehen und zum Trainieren machte ich das und dann musste ich „nachtätowiert“ werden. Während der Mittagspause aß ich wirklich schnell und sie frischten es auf. Es war irgendwie so, als wären Mark und Mani die ganze Zeit zusammen.  Und dann die Haarverlängerungen, die Ponyfrisur war echt, aber der Rest waren Haarverlängerungen. Und im Gegensatz zu einer Perücke, die man aufzieht und wieder abnimmt, trug ich sie 6 Monate lang. Also, wenn ich am Wochenende ausging ... – verstehst Du, sie haben meine Augenbrauen so rasiert, dass sie eine gerade Linie darstellten, sie haben all das wegrasiert, und dann hatte ich diese Haarverlängerungen. Also wenn jeder andere seine Perücke abnahm und einige Tage normal war, war Mani immer bei mir (lacht!). Es war seltsam.

Es war ein schönes Abenteuer, da Mani die Art Mensch ist, die ich gerne selbst mehr im wirklichen Leben sein würde. Er ist ein ehrlicher und einfacher Mann, der seine Augen und Ohren mehr benutzt als seinen Mund. Sehr schwer für einen Schauspieler (lacht)!

 Wie war die Reaktion auf den Film in Frankreich?

 Was unseren finanziellen Gewinn angeht, so haben wir unser eingesetztes Budget zurückgeholt. Unser Film wäre für einen amerikanischen Film nicht ein Film mit viel Budget gewesen, aber für einen französischen Film, war es viel Geld. Wir hatten ca. 30 Mio$ als Budget, und wir holten das Geld in den ersten 2 Wochen allein in Frankreich wieder rein. Was die Meinung der Zuschauer angeht, denke ich, der Großteil der Meinungen war positiv, da der Film anders ist als der normale französische Film. Von dem was Christophe mir sagte, war es der erste Horrorfilm – wir haben jedenfalls die Elemente drin (lacht) – es war wahrscheinlich der erste Horrorfilm mit Kampfkunst, Action, Politik und Spiritualität, zumindest für Frankreich. Er basiert auf geschichtlichen Tatsachen. Es ist ein sehr interessantes Stück. Und dann waren wir sehr erfolgreich in Frankreich und wir wurden in anderen europäischen Ländern gezeigt. Ich kenne die Statistiken nicht, aber von dem was ich gehört habe, waren wir auch da erfolgreich. Jetzt warten wir nur noch auf die Reaktion in den USA.

 Und auf was hoffst Du hier?

 Erstens, hoffe ich, dass wegen „Tiger and Dragon“, der mit Untertitel gezeigt wurde und so, und wegen des Erfolgs von „Amelie“, die amerikanischen Zuschauer offener gegenüber ausländischen Filmen wurden – ausländischen Filmen mit Untertitel - und dass sie unserem Film eine Chance geben.

Ich hoffe dass, Leute, die Gefallen an französischen Filmen finden, Spaß an der Politik und der Geschichte des Films haben. Ich hoffe, dass die junge Generation Spaß an der Action und der Cinematographie und all den anderen lustigen Dingen finden ... weißt Du, die Monster, „Der Weiße-Hai-am Berg“, diese Art Dinge, dass ihnen das auch gefällt. Ich hoffe, dass wir ein breites Band an Zuschauern ins Kino bekommen. Ich glaube, da ist etwas für jeden dabei.

 Und jetzt zu etwas völlig anderem. Ich habe einen Blick auf Deine Webseite geworfen und sah die Liste Deiner Lieblingsfilme. Da war einer dabei, der anders war, es war so nett.

 "Ein Herz und eine Krone"

 "Ein Herz und eine Krone"

 Mir gefällt der Film, hauptsächlich weil er so wahnsinnig romantisch und tragisch ist. Es gab nur einige wenige andere Filme dieser Art und mir gefällt Audrey Hepburn. Ich meine, sie war ausgezeichnet, einfach unschuldig und charmant und sie erinnert mich, oder eigentlich das Mädchen in Amelie erinnert mich an Audrey Hepburn.  Sie hat diesen unschuldigen Charme, dieses Talent. Ich weiß nicht. Mir gefällt der Film einfach. Ich hab ihn vor einigen Monaten wieder angesehen, und ich bekomme immer noch weinerliche Augen wenn ich den Schluss anschaue, da die Liebe so stark ist und dennoch haben sie Respekt dafür wer sie sind und was sie tun. Audrey Hepburn mit ihrer Aufgabe und die Menschen vor sich selbst zu stellen. Aus welchen Grund auch immer, es trifft mich ins Herz, diese Selbstlosigkeit, mehr für andere zu tun als für sich selbst.

 Etwas wie Mani?

Ja genau. So würde ich gerne sein. Wenigstens bekomme ich die Rolle so hin. (lacht). Ich arbeite daran.

zurueck