zurueck

 

Martial Arts Illustrated, Mai 1999

Mark Dacascos "Schwingt die Flügel in The Crow"
Der leidenschaftliche junge Schauspieler verleiht der Comicfigur menschliche Züge.

von Todd Hester und Andre Lima

Übersetzung: M. Köhler


bild4.jpg (93742 Byte)Mark Dacascos muss sich keine Gedanken machen, auf die Rolle "The Crow" festgelegt zu werden, auch wenn er den Charakter einige Zeit spielen wird. In einer Zeit in der viele Schauspieler überbezahlt, überdreht und wenig begabt sind, ist Dacascos etwas Ungewöhnliches – ein Schauspieler der offensichtlich interessanter ist, als die Rolle, die er spielt. Mark Dacascos ist "bares Geld", mit einem Trinkgeld an Figur. Er hat ein Selbstvertrauen wie ein paar getragene Turnschuhe, die gerade so passen. Wenn Sie sehen wollen, wie ein Star geboren wird, dann schauen Sie eines Abends eine Episode von "The Crow" an.

Es mag etwas dauern, bis Sie diese neue Serie finden, die Intensität jedoch, die Dacascos der Rolle, der gefolterten Seele von Eric Draven, verleiht, rechtfertigt die Bemühungen jedenfalls.

Mark Dacascos‘ Erscheinung auf dem Bildschirm ist nicht nur eine Illusion. Als Mensch zieht er die Aufmerksamkeit auf sich durch sein ruhiges Benehmen und seine ausgewählte Sprache, als ob sein nächster Satz die Lage des Shangri-La oder die geheime Formel der kalten Verschmelzung preisgeben würde.

Unter dieser Ruhe kann man seinen Entschluss spüren, dass der Ruhm ihn nicht ändern kann. Obwohl er spirituell in der Gegenwart lebt, schauen seine Augen in die Weite, noch etwas weiter als der Horizont reicht. Die Worte des Propheten Isaiah scheinen auf Dacascos zuzutreffen: " In Ruhe und Selbstvertrauen liegt Deine Stärke!" Aber sein Selbstvertrauen kommt nicht von der Schauspielerei, sondern von den unzähligen Stunden, die er in Kung Fu Schulen verbracht hat, um das zu üben, bei dem er sich am besten fühlt. "Kampfsport hat mein Leben großartig beeinflusst", sagt Dacascos. "Ich habe immer das Umfeld von Kung Fu Schulen geliebt. Dort habe ich mich immer heimisch gefühlt. Dort habe ich Respekt und Selbstvertrauen gelernt."

bild1.jpg (67697 Byte)Es ist offensichtlich, dass Mark Dacascos als erstes und vor allem anderen ein Kampfsportler ist. Es liegt ihm im Blut. Es beschreibt ihn geistig, gefühlsmäßig und körperlich. Dacascos erklärt, " für mich ist es ein Job wie jeder andere an einem Film zu arbeiten. Ich schauspiele für meinen Lebensunterhalt. Ich sehe mich selbst als Kampfsportler." Wenn man ihm den Ruhm, die Filme und die Fans wegnehmen würde, würde man Dacascos immer noch in einer Kung Fu Schule antreffen – wo er seine Figuren, seine Kicks übt, eine Waffe schwingt oder geduldig sein Chi Kung praktiziert. Das ist er selbst. Es schützt ihn vor der modernen Welt, in dem er an seine Wurzeln gebunden ist, die heute mystisch und wertvoll sind.

Diese geistige Sehnsucht verleitete ihn zu einer kürzlichen Wallfahrt nach Nepal.

Ich bin in den Nepal gefahren, speziell um von den Zerstreuungen des Lebens weg zu kommen, um mit mir selbst und der Erde in Berührung zu kommen. So wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat, ist es schwer für die Menschen offen für die extra Sinne zu sein, und wir sind so von der Überfüllung unseres Lebens eingenommen, dass unsere Instinkte nicht mehr funktionieren. Das gleiche gilt für Beziehungen, manchmal laufen wir in die für uns perfekte Person hinein, aber erkennen es nicht im Durcheinander unseres Lebens, um eine Verbindung herzustellen.

Aber auch wenn ihn der Geist nach den Sternen greifen lässt, hält ihn Kung Fu mit den Füßen am Boden. "Kampfsport ist ein wesentlicher Teil meines Lebens"", erklärt er "sicher, wenn mir eine Rolle in einem Kampfsportfilm angeboten wird und wenn sie mir gefällt, werde ich sie annehmen. Es ist eine Arbeit wie jede andere auch. Es ist die ideale Arbeit, da es das mit einbeziehet, was ich am liebsten mache, Kampfsport."

Für Dacascos ist Kampfsport sein zweites Ich. Als Kind zweier Kampfsportchampions begann er früh auf Hawaii zu trainieren. Nachdem seine Eltern nach Deutschland gezogen waren, gewann er als Teenager die Europäischen Kung Fu Meisterschaften. Die treibende Kraft hinter Dacascos‘ hervorragender Leistung war sein Vater Al, selbst ein ausgezeichneter Kampfsportler in Kämpfen und Stil. Von den späten 60er Jahren bis in die Mitte der 70er gewann Al Dacascos viele wichtige US Wettkämpfe. "Ich komme aus einer Familie, in der meine Eltern mir den Unterricht in Kung Fu einflößten," sagt Dacascos. "Ich habe mit vier oder fünf unter der Leitung meines Vaters angefangen zu trainieren. Ich gewann meinen ersten Wettkampf mit sieben. Ich habe es bis zum Finale geschafft und gegen meinen Bruder gekämpft. Dann ist mein Vater nach Deutschland gezogen. Mein Vater eröffnete viele Schulen, und ich habe immer trainiert."

Während dieser Zeit war seine Mutter, Malia, die höchst gewertete weibliche US-Kämpferin. Ihr Einfluss auf Dacascos ist offensichtlich in seiner Einstellung gegenüber Frauen. "Ich denke Frauen sind gute Kämpfer. Z.B. in Hongkong Filmen spielt eine Frau immer eine interessante Rolle. Manchmal kommt es vor, dass sexistische Annahmen Fragen aufwerfen in Bezug auf die Fähigkeiten einer Frau sich darzustellen. Aber ich denke Frauen sind sehr starke Gegner, und wir sollten ihre Fähigkeiten nicht unterschätzen".

Wenn man seinen familiären Hintergrund kennt, ist Dacascos stolz auf seine eigenen Kampfsportfähigkeiten, verständlich und offensichtlich.

Wenn man ihn nach dem größten Meilenstein in seinem Leben fragt, fängt er sofort von Kampfsport an. "Mein größter Meilenstein war es den Titel des Europäischen Meisters in Kung Fu in meiner Gewichtsklasse 1982 gewonnen zu haben, und ich war auch italienischer Meister." Wie auch immer, war seine Kampfsportkarriere nicht ohne Hindernisse und Dacascos bereut einiges. "Ich denke ich habe zu früh aufgehört an Kämpfen teilzunehmen. Ich bin aus Deutschland nach Taiwan gegangen und hatte schon im Kopf, nach USA zu gehen. Ich habe viele Jahre Kung Fu aufgegeben. Aber später erkannte ich, dass Kung Fu meine wirkliche Berufung war."

bild2.jpg (61134 Byte)Die leidenschaftlichen Gefühle für Kung Fu stammen aus Dacascos‘ Kindheit, die er mit dem Studium bei seinem Vater verbrachte. Er sagt, dass ohne Einschränkungen "mein Vater der bester Lehrer war, den ich je getroffen habe". Hier gibt es offensichtlich keine Generationskonflikte zwischen Vater und Sohn – zumindest nicht in Bezug auf Kampfsport.

Dacascos strahlt, wenn er über die Leistungen seines Vaters spricht. "Mein Vater hat seinen eigenen Kampfstil entwickelt. Er heißt Wun Hop Kuen Do. Es ist eine Art Kung Fu, die von Kaju-Kenbo abstammt. Es ist eine Kombination aus Karate, Judo, Jin-Jitsu, Chinesischem Boxen und Kickboxen. Das Training von Wun Hop Kuen Do gibt jedem Studenten die Möglichkeit, sich selbst auszudrücken und seine eigenen natürlichen Fähigkeiten zu erforschen".

Dacascos‘ Leistungen außerhalb der Welt des Kampfsports müssen seinen Vater ebenso stolz machen. Er hatte Gastrollen in Fernsehserien wie "Tales from the Crypt", "Dragnet", "Doogie Howser", "M.D" und "General Hospital". Zu seinen Filmrollen zählen Filme wie "The Island of Dr. Moreau", "Boogie boy" (Hard Proof), "Drive", "Dim Sum", "Only the Strong", "American Samurai" und "Roosters" mit James Edwards Olmos. "Crying Freeman", ein Film, der auf einem bekannten japanischen Zeichentrickfilm basiert, hat fast schon Kultstatus auf der ganzen Welt errungen und wird Ende des Jahres in USA auf den Markt kommen (das ist wohl bis heute nicht passiert – Anmerkung des Übersetzers). Sein Durchbruch kann schon sehr nahe sein: "No Code of Conduct" ein großes Projekt mit Charlie und Martin Sheen ist gerade in der Post-Production. Abgesehen von seinen Leistungen - Dacascos ist von Natur aus ein bescheidener Mensch – sieht er seine eigenen Fähigkeiten sehr objektiv. Er nennt schnell seine Fehler und seine Stärken. "Meine Kicks sind meine große Begabung. Ich denke, ich werde nie einen Schlag so schnell wie mein Vater ausführen können, anderseits sind meine Beine sehr schnell und stark. Ich denke ich habe sehr viel Glück, dass sich im Stil meines Vaters jeder Schüler auf seine eigenen Fähigkeiten spezialisieren kann".

Da er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen will, begann er seine Techniken zu verbessern und dabei auch sich selbst weiterzuentwickeln. "Momentan lerne ich Kung Fu mit Meister Jiang Hao Kuan. Ein außergewöhnlicher Lehrer. Er ist 77 Jahre alt und kam aus China. Er war der Lehrer von Li Lian Jie, einem chinesischen Filmstar. Kuan lehrt den nördlichen Shaolin Stil. Ich trainiere dreimal die Woche, mittwochs, samstags und sonntags – drei Stunden pro Tag. Eine Stunde übe ich Technik und Kicks, die nächste Gymnastik und Akrobatik und in der letzten Stunde arbeite ich an den Formen."

In Filmen spielt Dacascos oft Rollen, die einen anderen Kampfsport als Kung Fu beherrschen. Dank seiner Vielseitigkeit kann er andere Stilrichtungen relativ schnell lernen. "In dem Film "American Samurai", erklärt er, "übte ich Aikido und Kendo, um die Rolle besser spielen zu können, in dem Film spielte ich natürlich einen Samurai. Für einen anderen Film, "Only the Strong" übte ich sechs Monate vor den Dreharbeiten Capoeira. Ich kann ihnen über Capoeira sagen, dass es ein Kampfsport ist, der aus Afrika und Brazilien von den afrikanischen Sklaven kommt. Es ist ein musikalischer Stil der Selbstverteidigung. Die Sklaven übten Angriffs- und Verteidigungsbewegungen im Einklang mit der Musik, was den Kampf als rituellen Tanz aussehen ließ, da es ihnen verboten war Kampfstile zu üben."

bild33.jpg (140487 Byte)Zusätzlich zu den traditionellen Trainingsmethoden hat Dacascos moderne Trainingstechniken in sein körperliches Trainingsprogramm einbezogen. "Ich arbeite mit Gewichten, aber ich arbeite kein spezielles Gewichtsprogramm für meine Beine ab, da ich meine Beweglichkeit erhalten möchte und außerdem glaube, dass das Kampfsporttraining gut an der Beinmuskulatur arbeitet. Ich habe ein genaues Programm für die Arm- und Brustmuskulatur. Ich mache für jede Übung vier Durchgänge. Im ersten Durchgang mache ich 15 Wiederholungen, im zweiten 12, 10 im dritten und 10 im letzten. Normalerweise mache ich die Durchgänge sehr schnelle und mit wenig Pause dazwischen, da ich mehr Wert darauf lege schneller in der Bewegung zu werden, als an Muskelvolumen zuzulegen."

Da Dacascos ein athletischer Mensch ist, praktiziert er auch andere Sportarten – einige um seinen Kampfsport zu unterstützen – manche nur zum Spaß. "Ich mache viel Gymnastik, ich liebe das", sagt er. "Ich genieße Surfen, und klassischen und modernen Tanz. Ich springe Fallschirm (Anmerkung der Übersetzung: ich denke es liegt hier ein Skriptfehler vor - es sollte wahrscheinlich Tauchen sein), was sehr aufregend ist und viel Ausdauer bedarf, aber für mich ist es sehr beruhigend. Ich versuche ein gesundes Leben zu führen. Ich rauche und trinke nicht, deshalb fühle ich mich sehr gesund."

Sein Ernährungsplan, was man von jemandem erwartet, der seinen Lebensunterhalt mit seinem Aussehen verdient, ist ziemlich rigoros. "Ich bin sehr streng im Bezug auf Ernährung. Meine Grunddiät beinhaltet weißes Fleisch und viel Frucht und Gemüse. Ich vermeide Zucker soweit wie möglich. Das ist sehr schwer für mich", sagt er lachend, "da ich Schokolade liebe."

Alles was Dacascos macht, funktioniert. Nicht nur, dass er all seine Kampfszenen selbst macht, er macht auch alle seine Stunts. "Ich habe immer allerhand akrobatische Sprünge im Kung Fu und in Gymnastik gemacht", sagt er. "Da gibt es keine Kameratricks, ich mache sie alle selbst."

Vor einem sieben Jahre alten Kung Fu Wunderkind zu einem Film und Fernsehstar – Kampfsport hat es Mark Dacascos weit gebracht, und es liegt noch ein langer Weg vor ihm. "Ich glaube, so zu denken wie ein Kampfsportler hat mir geholfen Entschlüsse zu fassen, mich auf meine Karriere in Hollywood vorzubereiten und sie zu planen", wiederholt er. "Hauptsächlich lehrte mich die Kampfsportphilosophie nie aufzugeben".

zurueck