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Libération, Frankreich, Februar 2001
(Interview in Auszügen)
übersetzt aus dem Französischen: von M. Köhler
[...]
| Frage: | Der Name Dacascos .... . |
| MD: | In
Wirklichkeit heißt es Da Coscos. Meine Vorfahren väterlicherseits sind
spanisch-chinesisch. Mein Urgroßvater kam aus den Philipinen, und da die Spanier über 3
Jahrhunderte dort gelebt haben, haben die meisten Philipinen kastellanische Wurzeln. Mein
Vater ändert den Namen in Dacasocs außerdem glaubt mein Onkel der
Ahnenforscher der Familie, dass wir griechischen Ursprungs sind, in Griechisch heißt
"coscos" "Vorarbeiter". Meine Mutter ist von irisch-japanisch
Herkunft. Ihr Vater kam aus Kentucky war aber Irischen Ursprungs. Kurz nach Pearl Habor
heiratete er als amerikanischer Soldat eine Japanerin, die auf Hawaii geboren war. Es ist
verrückt ..... . |
| Frage: | Sie schauen jünger aus als im Film. |
| MD: | Für "Pacte des loups" hatte Christophe Gans bestimmte Forderungen, nicht nur von der Einstellung her, sondern auch physische. Man rasiert sich hier und da, die Haare an der Stirn, an der Schläfe, die Augenbrauen. Das gleiche gilt für die Rolle, ich bin fröhlich, Mani ist introvertiert, mehr Indianer als Hawaiianer, sehr starr, was Erhabenheit ausdrückt. Auf Hawaii gestikulieren wir, aber wir können auch ernst sein. |
| Frage: | Insel Melancholie |
| MD: | Richtig.
Wir tragen geblümte Hemden, andererseits beinhalten die Legenden der Insel den Glauben an
böse Geister, an Gespenster. Aber ich habe dort nur bis ich 6 Jahre alt war gelebt. Von 6
bis 9 lebte ich in Colorado und dann in Hamburg. Ein Hawaiianer vor 20 Jahren in
Deutschland, von Natur, Wasser, Sand in eine Großstadt ....Was mir besonders an Mani gefällt ist seine Liebe zur Natur. Wann laufen wir in der heutigen Zeit auf Gras? Wirklich! Da sind doch immer ein Teppich oder Schuhe dazwischen. Unsere Kleidung trennt uns sogar von der Luft. Ich wünschte, ich könnte mehr wie Mani werden. |
| Frage: | Wie wurden bei den Dreharbeiten die Kämpfe von Philip Kwok organisiert? |
| MD: | Ein
Kampfchoreograph aus Hongkong, ein französischer Regisseur, hawaiianische und
amerikanische Schauspieler, französische Stuntmen .... . Die Franzosen drehen Kampfszenen
anders als die Amerikaner und noch bei weitem anders als in Kung Fu Filmen. Neben den
kulturellen und rhythmischen Unterschieden, kommt noch das Sprachenproblem dazu. Philip
Kwok spricht Kantonesisch, Christophe Französisch und Englisch. Daher war eine
Übersetzung notwendig und jedesmal wenn etwas übersetzt wird, kommen Veränderungen und
Schwierigkeiten dazu. In Hongkong arbeitet man nicht so, dass man jede Bewegung einzeln
wiederholt bevor sie gedreht wird. Dort erarbeitet man ein generelles choreographisches
Konzept, dann lernt man komplexe Bewegungsabläufe, aber der Kampfablauf wird nicht vorher
festgelegt.Christophe Gans und ich planen gerne voraus, vereinbaren etwas im vorhinein und erhalten trotzdem eine gewisse Spontaneität. Wenn Du nicht weißt wie etwas abläuft, mußt Du spontan bleiben, was die Angelegenheit etwas gefährlich macht. Nicht nur eine Rolle zu spielen, sondern schauspielern und reagieren. Im Westen haben die meisten Schauspieler keine Kampfsportausbildung; in China hat jeder eine Ausbildung im Singen, Tanzen und Kampfsport. Schauen Sie sich Bruce Lee an, er macht alles selbst, die Kamera folgt ihm ohne einen Cut. Im Westen dagegen kommt Cut, Cut, Cut. Während des Kampfs sieht man eine Aufnahme von eine Bewegung, dann eine Aufnahme von einen Kick. Ich hoffe bei "Pacte des Loups" kann man die ganze Bewegung von A bis Z sehen; wenn sie unterbrochen wird, fühlt man nichts dabei. Damit man es fühlen kann, muss man es sehen. |
| Frage: | Trainieren Sie hart? |
| MD: | Ich trainiere durch Kampfsport. Ich trainiere aber ich habe die Art wie ich trainiere geändert. Ich behandle meinen Körper wie ein Auto. Meine Knie sind meine Räder. Eines Tage wird der Motor kaputt sein, wenn man Millionen von Meilen fährt und die Räder .... . Daher trainiere ich nicht täglich. Ich übe meine Schläge und Kicks, Streching, aber ich liebe es auch zu surfen. |
| Frage: | Die Verbindung zwischen Surfen, Schauspielen und Kampfsport |
| MD: | Konzentration,
Disziplin, Entspannung und Leidenschaft. Wenn sie sich einer großen Welle gegenüber
stellen, ist es die gleiche Angst, wie vor dem Schauspielen oder gegenüber einem Gegner
im Kampf. Auf Hawaii sind die Wellen sehr stark, es ist nicht eine Frage des Ausprobierens und ihnen zu entkommen, man muss sie nehmen, das ist alles. Plötzlich steigt die Welle an, und man muss sie überqueren oder man geht unter. Der Punkt ist, man muß 100% geben, wenn nicht, fängt man an sich selbst in Frage zu stellen. Der Trick dabei ist, dass man beim Surfen, Kampfsport und Schauspielen eins werden muss mit der Bewegung. |
| Frage: | Sie sprechen oft über Ihre Anspannung |
| MD: | Das ist für mich nicht unbedingt schlecht. Ich fühle mich lebendig, wenn ich nervös werde. Wenn ich keine Angst bekomme, habe ich den Eindruck irgend etwas stimmt nicht. |
| Frage: | Von der Anspannung zur Angst? |
| MD: | Das kann vorkommen, wenn die Anspannung steigt, muß man sie ertragen und kontrollieren. |
| Frage: | Wie? In dem man in sie hinein atmet oder so? |
| MD: | In die Bewegung atmen. Wenn ich mich bewegen kann, beruhige ich mich. Ich mache Yoga, ich meditiere: die pure Konzentration auf den Herzschlag läßt einen entspannen. Wenn man entspannt ist, kann man das Blut fließen hören. |
| Frage: | Und |
| MD: | Da ist Bewegung drin. Ich habe eine 3 Wochen altes Baby, er ist am friedlichsten wenn er Haut an Haut, Herz an Herz mit mir oder meiner Frau ist. Das ist Rhythmus. In der Bewegungslosigkeit, gibt es immer noch Bewegung. Wenn sich etwas Bewegt, egal was, dann fühle ich mich gut. Bewegungslos, fühle ich mich wie abgestandenes Wasser. Es muß etwas passieren. |
| Frage: | Üben Sie sich auch in geistigem Kampfsport? |
| MD: | Wenn
ich kann, mache ich Tai Chi mit einem 83 jährigen Lehrer. Ich liebe es von diesem alten
Mann trainiert zu werden. All den Blödsinn, den ich gemacht habe oder noch machen werde,
hat er schon hinter sich. Da ist eine Weisheit vorhanden, die aus der Lebenserfahrung
kommt.Bewegung ohne Seele funktioniert nicht. Sie können Kämpfe beobachten, bei denen die Technik erstklassig ist, jedoch fehlt es an Geist, Energie und Intensität. Viele Menschen können Mimiken zeigen, aber wie viele fühlen das auch. |
| Frage: | Sehen Sie sich eher als Kämpfer oder als Mann des Friedens? |
| MD: | Beides. Kämpfer für Frieden. Je mehr man sich aufs Kämpfen vorbereitet, desto weniger muss man es einsetzen. |
| Frage: | Wie ist es Eltern als Sifus zu haben? |
| MD: | Das kann ich so nicht beantworten. So weit ich zurückdenken kann, war mein Vater immer mein Lehrmeister. Das ist keineswegs einfach. Während der Unterrichtsstunden dachte ich, er wäre perfekt. Aber als Mensch macht er Fehler wie jeder andere auch. Er gibt gute Ratschläge und befolgt sie selbst nicht. Als ich heranwuchs machte das unsere Beziehung schwierig, es ist schwer 2 Seiten der gleichen Person zu sehen. Mein Vater ist immer noch mein Sifu, aber ich trainiere heute mit einem anderen Lehrmeister. |
| Frage: | Hatten Sie eine Wahl? |
| MD: | Meine Eltern haben nie gesagt: "Du mußt trainieren". Jedoch war die Kung Fu Schule in Deutschland meine Zufluchtsstätte. In dieser Deutschen-Kaukasischen Umgebung war alles fremd, ich selbst, meine Eltern, unsere Sprache, alles ... In die Kung Fu Schule jedoch kam jeder aus dem selben Grund: Entdecken, gründlich Lernen und Teilen. Jeden Tag nach der Schule konzentrierte ich mich auf Kung Fu. |
| Frage: | Fühlen Sie sich als Amerikaner? |
| MD: | Manchmal fühle ich mich wohl in Deutschland, in Europa oder in Kalifornien manchmal komme ich mir vor, als ob ich von nirgendwo komme. |
| Frage: | Können Sie das Gefühl "von nirgendwo" genauer erklären? |
| MD: | Auf
Hawaii werden 2 verschiedene Arten von Englisch gesprochen. Standard Amerikanisch und eine
Art pidgin Englisch gemischt mit hawaiiansichem, chinesischem und philipinischem Slang.
Auch ich verstehe das nur schwer. Ich kann einen Bezug herstellen, jedoch meine Freunde,
die ihr ganzes Leben auf Hawaii verbringen, kennen nur das. Ein Teil von mir ist dort tief
verwurzelt, selbst wenn ich dort nicht mein ganzes Leben verbringen könnte. Ich könnte
auch in Deutschland nicht immer leben, obwohl ich Deutsch spreche, läßt mich mein
Aussehen ausländisch erscheinen. In China sieht man, dass ich kein Chinese bin. Ich bin
ein Teil von allem. Als ich älter wurde, habe ich darin einen Vorteil erkannt, aber vor
20 Jahren in Deutschland, als Ehen zwischen verschiedenen Rassen nicht üblich waren, als
es noch kein MTV gab, stellen Sie sich das vor .... . |
| Frage: | Rassismus? |
| MD: | Sicher, jedoch nicht von der Art, wie sie Afro-Amerikaner in den USA ausgesetzt sind. Dennoch in Deutschland, in China, in den USA, überall sagen die Leute: Sind Sie Chinese? oder das Gegenteil "Spanier"? |
| Frage: | Haben Sie jemals wirklich kämpfen müssen? |
| MD: | Ja,
es ist nie wie im Film 9 von 10 mal die wirklichen Kämpfe gehen nicht Mann
gegen Mann. Als ich 19 war, war ich Rausschmeißer in Hollywood. Ich war zierlich, ich
arbeitete dort 5 Nächte die Woche und 5 Nächte kämpfte ich. Ich habe auch Diplomatie
gelernt - erst versuchen darüber zu sprechen. Vorher in Deutschland gab es diese Gangs
mit den verschiedensten Haartrachten, die auf Kampf aus waren. Jungs wollen immer
kämpfen. Wenn man die provoziert, die Dich provozieren, ist es fast so als wäre man
selbst der Provokateur, mir hat das jedoch nie gefallen. Es hat mir immer Spaß gemacht im Training zu kämpfen, aber ich wollte niemals im wirklichen Leben kämpfen und jemanden verletzen. Meine wildesten Kämpfe hatte ich mit meinen Freunden. Wenn man mit jemandem im Einklang ist, beim Tanzen, Lieben oder Kämpfen, kommt es immer auf das gleiche heraus Instinkt. |
| Frage. | Ihre Ähnlichkeit zu Brandon Lee |
| MD: | Vor 2 Monaten fragte mich jemand auf er Straße, ob ich Brandon Lee sei (der 1994 bei den Dreharbeiten zu dem Kinofilm "The Crow" starb). Wir haben uns oft getroffen, Linda Lee (Bruce Lees Frau) war eine Freundin meiner Eltern. Irgendwann haben wir den Kontakt verloren. Seltsam ist nur, ich sprach mit Brandon am Telefon kurz bevor er starb. |
| Frage: | Zwischen Bruce Lee und Jackie Chan? |
| MD: | Bruce Lee ist mein Held, ich bewundere Jackie Chan. Bruce Lee lebte für den Kampf, Jackie Chan fürs Training. Völlig verschiedene Persönlichkeiten, gleiche Energie, jedoch entgegengesetzt. Bruce Lee hatte einen eignen Humor, jedoch waren seine Kämpfe nie lustig. Bei Jackie sind sie lustig selbst wenn er ernst sein will. |