zurueck

von Dave Cater

übersetzt aus dem Englischen: von M. Köhler


Nachdem Mark Dacascos sich ein Jahr zurückgezogen hat, ist er jetzt bereit die Welt zu erobern.

 

Es ist eine wunderbare Zeit um Mark Dacascos zu sein.

 

Kann das Leben noch besser werden? Zumindest momentan behandelt die Welt den 38 Jahre alten Sohn des Won Hop Kuen Do Großmeisters, Al Dacascos, mit allem Pomp.

 Der junge Makoalani (kurz: Makoa), der am 31. Dezember 2000 geboren wurde sprudelt über vor kindlichem Staunen, was denen vorbehalten ist, die die Welt zum erstenmal sehen. Er schaut auf und Mark trifft seinen Blick auf halbem Weg. Sie lächeln. Zwei Stühle entfernt bewundern Mama und Opa das neueste Mitglied der Dacascos Dynastie. In einigen wenigen Minuten wird das jüngste Mitglied einer der größten Kampfkunstfamilien eine spezialangefertigte Kampfuniform anziehen und für sein erstes Coverbild posieren (so gut wie Babies das können).

 Es gibt schließlich Vorteile, der Sohn des Sohns des Königs zu sein, besonders wenn man im Jahr des Drachen geboren bist.

 Mark Dacascos schien nie mehr im Frieden mit sich selbst und seinem Umfeld zu sein. Er hat schwer dafür gearbeitet, um an diesen Punkt in seinem Leben zu kommen. Wenn ein Kampfkünstler seinen Preis gezahlt hat und es verdient hat als Überlebender bezeichnet zu werden, dann ist es Mark Dacascos.

Lange bevor er seine Spuren in Hollywood hinterließ war Mark Dacascos einer der meist respektierten Kampfkünstler im Land. Aber er war sich immer unsicher, eine Eigenschaft die er in jungen Jahren von seinem Vater geerbt hat.

Obwohl Papa Al als Junge auf Hawaii mit dem großen William Kawi Sun Chow trainierte und zu seinen Kampfkunstbrüdern solche Größen wie Ed Parker, Ralph Castro und Adriano Emperado zählte, so spottet seine Unsicherheit manchmal jeglicher Beschreibung..

Mark erschien schließlich 1987 auf dem Radarschirm als er in der Universal Studio Showbühne „Conan der Barbar“ spielte. Seine Partnerin in diesen Tagen war der frühere Star in Kampfkunstformen, Karen Sheperd, die wie Dacascos einen Traum von Hollywood hatte.

 Dacascos verließ 1981 die 4 bis 10 Show pro Tag Schufterei, um eine richtige Schauspieltätigkeit zu suchen. Dadurch, daß er sich etliche Monate freistellen ließ, um in Israel „American Samurai“ zu drehen, wurde sein Appetit auf diese Möglichkeit nur angeregt.

 „Ich bin weit gekommen seit meiner Tage bei Universal, aber damals war Universal 100% notwendig“, gibt er zu. „Ich habe 5 Tage die Woche gearbeitet, ich habe 2 Rollen gespielt, es war eine Liveshow und sehr anstrengend. Es war das erste Mal, dass ich längere Zeit eine Anstellung als Darsteller hatte. „Es hat mich darauf vorbereitet 6 Monate auf einem Filmset zu verbringen, oder 9 Monate für eine Filmshow. Es war eine ausgezeichnete Lehrerfahrung,“ Dacascos spricht und geht mit dem Schwung eines Mannes, der am Rande zu etwas großem steht. Als ob er auf den nächsten Schritt nicht warten kann, den nächsten Telefonanruf, die nächste Anstellung. Zuversicht, Entschlossenheit, Tapferkeit. Eine innere Ruhe, die in eine äußere Gelassenheit übergeht.

Es sieht jetzt alles so einfach aus, es war alles wert. Aber es gab eine Zeit, in der nicht all zu fernen Vergangenheit, in der Mark Dacascos in so einer tiefen persönlichen Krise steckte, und man sich fragte, ob er noch ein zweites Mal die Oberfläche sehen würde. Wie eine Art altgedienter Tunnelsurfer, der von einer 50 Fuß Welle abgeworfen wird, der gewalttätig gegen den rauen Untergrund geschlagen wird und denkt dieses Mal hat die Welle Revanche gefordert.

Vor 4 Jahren akzeptierte Dacascos – was viele in der Branche als Ticket zum Ruhm bezeichneten – die Hauptrolle in der Fernsehserie „The Crow“. Was für ein Durchbruch für den jungen Star, was für eine Chance die Vielfalt und Tiefe seines Talents zu zeigen.

Die Filmversion of „The Crow“ hat Brandon Lee das Leben gekostet. Und die Fernsehserie – obwohl sie nur ein Jahr andauerte – kostete Mark Dacascos fast seinen Verstand. Er spielte die Rolle von Eric Draven, einem ermordeten Musiker, der in der Form einer Krähe zurückgekommen ist, um seinen Tod zu rächen. Lee, der versehentlich von einer Kapsel eines Filmgewehrs getötet wurde, wurde zum Kulthelden, als der Film herauskam. Dacascos wurde fast ein tragischer Held, 17 Stunden Tage gefolgt von schlaflosen Nächten, die er im Editierwagen verbrachte, stellten seine Welt auf den Kopf.

„Es war wirklich, wirklich schwierig“, gibt Dacascos zu, der gerade nur Wochen bevor die Crew ihre Zelte in Vancouver aufschlug, geheiratet hatte. "

„Es war nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch eine für mein Herz, meine Seele und mein Privatleben. Ich hatte gerade geheiratet, und wir hatten ein Haus in Kalifornien, aber dann arbeitete ich 60 bis 70 Stunden pro Woche in Kanada, an einem Ort, an dem alles so dramatisch, so traumatisch war.“

„Weißt Du, es war keine dieser fröhlichen Serien“, fügt er hinzu, mit einem ernsten und verdrießlichen Gesichtsausdruck. „Es ging nur um Tod und Leben, und alles war so wahnsinnig ernst. Ich fühlte mich körperlich und geistig erschöpft. In den letzten paar Folgen hatte ich einige sehr sensible Szenen. Als Schauspieler weiß man, je mehr Erfahrung du im Leben hast, desto mehr kannst du geben.“

Den „Conan“ für einige Touristen zu spielen, verlieh Dacascos nicht die Reserven, die er brauchte. „Meine Seele war wie ein Schwamm und er war völlig ausgewunden durch das Thema der Szene“, erinnert er sich. „Ich habe versucht alles was ich hatte hineinzustecken, aber ich wusste nicht, wie ich loslassen konnte.“ Er konnte nicht schlafen, nicht essen, nicht ausruhen. Er war ausgelaugt, verbraucht, ein Schauspieler der innerlich leer war.

Die geistige Verwirrung kam zum Höhepunkt, als der Fluch von „The Crow“, ein gängiger Ausdruck auf dem Set des Films „The Crow“, auch die Serie traf. Nach 6 Folgen wurde der bekannte Stuntman, Mark Ackersteam, getötet, als er, während der Dreharbeiten zu einer Bootsexplosion, von einem fliegenden Metallstück getroffen wurde. Um das ganze noch bizarrer zu machen, so war kein Stuntman – Ackersteam eingeschlossen – in der fraglichen Szene eingesetzt.

„Wir alle, ca. 50 oder 60 Cast- und Crewmitglieder, saßen hinter der Kamera und beobachteten die Monitore und beobachteten dieses Boot aus der Entfernung“, erinnert sich Dacascos. „Die Explosion erfolgte und alles schien in Ordnung zu sein. Ein oder zwei Sekunden später hörten wir dieses Pfeifen durch die Bäume und als nächstes hörten wir diesen Schlag und jemand schrie, und ich sah wie Mark umfiel. Einige Teile flogen von der Explosion hoch, flogen so weit und trafen ihn am Kopf. Es hätte jeder sein können, da wir alle innerhalb von 15 bis 20 Fuß voneinander entfernt standen.“

Es gab Gerüchte, dass man die Show wirklich stoppen würde, dass man jeden nach Hause schicken würde, wegen des Fluchs und wie er das nächste Mal zuschlagen würde. Cast und Crew hatten das Gefühl, es ihnen selbst und Ackersteam zu schulden, weiterzumachen; obwohl es so aussah, als hinge eine dunkle Wolfe über dem Set, was durch regnerische Tage, dunkle Sets und düstere Themen betont wurde.

„Persönlich empfand ich es nicht so, dass die Show oder das Thema von einem Fluch beladen waren“, gibt Dacascos nicht so leicht zu. „Aber weißt Du, wenn man Mark’s Tod betrachtet, weißt Du es hängt davon ab, wie man es betrachtet, gab es der Show sicher einen gewissen Beigeschmack.“

Obwohl die Einschaltquoten gut waren, war die Nachricht, dass die Serie eingestellt wurde, eine bittersüße Nachricht für Dacascos. Einerseits hing sein Herz und seine Seele an dem Set in Vancouver, andererseits hatte er nichts mehr zu geben.

„Ich hätte wahrscheinlich ein weiteres Jahr machen können, aber ich denke nicht dass ich dabei ein glücklicher Mensch gewesen wäre“, erklärt er. „Und das ist es nicht wert!“

Stattdessen wusste Mark, dass sein Leben nicht viel für ihn selbst und seine Frau wert ist, bis er sein persönliches Gleichgewicht wieder gewonnen hatte. Daher verbrachte er den größten Teil des nächsten Jahres in seinem Geburtsort auf Hawaii, surfte, erwachte wieder, fand die verlorene Energie wieder, die er in einem Jahr von Härte und gebrochenem Herzen verloren hatte.

„Ich brauchte es, ich brauchte die Zeit abseits allem, um meine Energie zurückzubekommen.“

Es war eine gut eingesetzte Zeit. Seit „The Crow“ hat Dacascos 4 Filme gemacht, einen eingeschlossen, der ihn 6 Monate am Drehort in Frankreich festhielt – „China Strike Force“ in Shangai, China mit Hongkong Regisseur Stanley Tong, berühmt durch „Rumble in the Bronx, “Instinct to Kill“ nach der Novelle Perfect Husband und „Scorcher“ mit John Rhys-Davies. Er wird später dieses Jahr nach Französisch Guyana und Brasilien reisen, um den Film „Shaman“ zu drehen.

Trotzdem werden alle Augen auf seine Darstellung in „Le Pacte des Loups“ oder „Der Pakt der Wölfe“ gerichtet sein, der im November dieses Jahres (Anmerkung der Übersetzung: der Starttermin wurde auch für die USA auf Januar 2002 verschoben!) in die Kinos kommen soll. Seine größte schauspielerische Herausforderung soweit, der Film, bei dem Christophe Gans Regie führte (der auch bei dem Dacascos Film „Crying Freeman“ das Steuer in der Hand hatte) ist ein großes Historienepos mit Action, Religion, Liebesgeschichte und Politik, das in der rauen Landschaft des Europas im 18. Jahrhundert stattfindet. Eine Besetzung von 250 Leuten, die durch 300 weitere und 50 Pferde vervollständigt wurde.

„Er hat eine der unvorstellbarsten Eröffnungsszenen seit „Der Weiße Hai““, bemerkt Dacascos, der einen Mohikaner im Film spielt. „Ich habe noch nie so etwas wie diesen Film gesehen, er hat ein Monster, er hat Action, er hat eine Liebesgeschichte, er hat Pferde und Indianer und französische Soldaten.“

Um die Rolle eines Indianers zu spielen, musste Dacascos reiten. Horsestances? Kein Problem. Ein Pferd zu reiten, das war etwas anderes, ganz was anderes für den selbsternannten „Surfer“.  Er wurde einige Wochen vor Drehbeginn nach Frankreich gebracht und bekam offizielle Reitstunden.

„Ich sagte dem Trainer, dass ich eigentlich nichts weiß,“ erinnert sich Mark lachend. „Also setzte er mich auf ein Pferd, vergewisserte sich, dass mein Rücken gerade war und meine Hüften locker und sagte mir, dass ich die Zügel fallen lassen soll und meine Füße aus den Steigbügeln nehmen soll. Dann pfiff er, und das Pferd lief im Galopp los.

Indem ich auf das hörte, was er mir gesagt hatte und meine Instinkte einsetzte und noch dazu meinen Körper, der das überleben wollte, konnte ich reiten, ohne mich auf den Galopp zu versteifen. Am Ende der Dreharbeiten fühlte ich mich ganz wohl auf einem Pferd“.

Das gleiche könnte man über französische und mohikanische Sprache sagen. Obwohl er Französisch auf der Schule gelernt hatte und „s’il vous plaît“ für seinen Lehrer wiederholt hatte, ist es dennoch eine ziemliche Herausforderung für fremde Zuschauer glaubhaft zu erscheinen. Ein 2monatiger Crashkurs durch Berlitz gefolgt von Stunden auf dem Set, halfen die Lücken zu überbrücken. Aber auch Berlitz hatte keine Idee, als es um die mohikanische Sprache ging.

„Bevor ich wegfuhr, musste ich Kulturstunden in Mohikanisch bei einer Frau in Ostkanada mit dem Namen Alice Rice nehmen,“ erklärt Dacascos. „Sie lehrte mich über die mohikanische Kultur, Sprache und Lieder in der kurzen Zeit was sie konnte, damit ich eine Grundlage zum Arbeiten hatte und um meine Rolle real darzustellen.“

Am Ende der Dreharbeiten fühlte sich Dacascos wohl. Aus 3 Monaten wurden 4 Monate, aus denen dann schließlich 6 wurden. In der Zwischenzeit las er 3 Biographien, 2 über Napoleon und eine 500 Seiten starke über die Romanoffs, spielte Gitarre und übte Französisch.

So weit entfernt von Kampfkunst und doch so nah. Dacascos erhielt es aufrecht. „Mein Kampfkunsttraining half mir mein Gleichgewicht zu bewahren, meine Zuversicht und einfach nicht aufgeben zu wollen“, erzählt er. „Eigentlich, alles was ich getan habe, wurde durch Kampfkunst unterstützt, da alles so neu war. Ich benutzte Kampfkunst jeden Tag meines Lebens.“

Den kleinen Makoa kann man wegen seiner Statur nicht übersehen. Mit 6 Monaten und kräftigen 17 Pfund stiehlt er die Show von seinen berühmten Vorfahren. In ein Outfit, wie aus „der letzte Kaiser“ gepackt, posiert er wie ein Profi und geht dann mit Mami zum Umziehen und Windelwechseln. Dann können Vater und Sohn mit einigen Techniken loslegen. Sie spielen wie alte Freunde bis Al flink das Handgelenk dreht und Mark sich vor Schmerzen krümmt. Das wäre ein Bild wert gewesen. „Ich glaube wir haben das letzte Mal vor 3 Jahren gemeinsam trainiert und rumgespielt“, sagt Mark später. „Ich vermisse es von meinem Vater gekickt und herumgewirbelt zu werden. Das vermisse ich wirklich.“

Bald werden Mark und Makoa das gleiche Gefühl teilen, mit etwas so eng mit dem Wesen der Familie verbundenen zu spielen.

„Ich werde immer Kampfkunst betreiben, und zumindest die ersten Jahre wird mein Sohn Kampfkunst lernen,“ verspricht Mark. „Ob Schauspieler oder nicht, ich werde immer Kampfkunst praktizieren, weil Kampfkunst in unserer Familie liegt, wie Essen und Schlafen, es ist Teil unseres Lebensstils. Ich habe nicht Kampfkunst betrieben, um zum Schauspielen zu kommen, das sind zwei völlig verschiedene Dinge; zwei Teile meines Lebens, die sich an einem guten Tag miteinander verbinden und mich wirklich glücklich machen. Heute ist so ein Tag.“

Es ist eine wunderbare Zeit, um Mark Dacascos zu sein.

 

 

 

 

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