
von Dave Cater
übersetzt aus dem Englischen: von M. Köhler
Nachdem
Mark Dacascos sich ein Jahr zurückgezogen hat, ist er jetzt bereit die Welt zu
erobern.
Es
ist eine wunderbare Zeit um Mark Dacascos zu sein.
Kann
das Leben noch besser werden? Zumindest momentan behandelt die Welt den 38 Jahre
alten Sohn des Won Hop Kuen Do
Großmeisters, Al Dacascos, mit allem Pomp.
Lange
bevor er seine Spuren in Hollywood hinterließ war Mark Dacascos einer der meist
respektierten Kampfkünstler im Land. Aber er war sich immer unsicher, eine
Eigenschaft die er in jungen Jahren von seinem Vater geerbt hat.
Obwohl
Papa Al als Junge auf Hawaii mit dem großen William Kawi Sun Chow trainierte
und zu seinen Kampfkunstbrüdern solche Größen wie Ed Parker, Ralph Castro und
Adriano Emperado zählte, so spottet seine Unsicherheit manchmal jeglicher
Beschreibung..
Mark
erschien schließlich 1987 auf dem Radarschirm als er in der Universal Studio
Showbühne „Conan der Barbar“ spielte. Seine Partnerin in diesen Tagen war
der frühere Star in Kampfkunstformen, Karen Sheperd, die wie Dacascos einen
Traum von Hollywood hatte.
Dacascos
verließ 1981 die 4 bis 10 Show pro Tag Schufterei, um eine richtige Schauspieltätigkeit
zu suchen. Dadurch, daß er sich etliche Monate freistellen ließ, um in Israel
„American Samurai“ zu drehen, wurde sein Appetit auf diese Möglichkeit nur
angeregt.
Es
sieht jetzt alles so einfach aus, es war alles wert. Aber es gab eine Zeit, in
der nicht all zu fernen Vergangenheit, in der Mark Dacascos in so einer tiefen
persönlichen Krise steckte, und man sich fragte, ob er noch ein zweites Mal die
Oberfläche sehen würde. Wie eine Art altgedienter Tunnelsurfer, der von einer
50 Fuß Welle abgeworfen wird, der gewalttätig gegen den rauen Untergrund
geschlagen wird und denkt dieses Mal hat die Welle Revanche gefordert.
Vor
4 Jahren akzeptierte Dacascos – was viele in der Branche als Ticket zum Ruhm
bezeichneten – die Hauptrolle in der Fernsehserie „The Crow“. Was für ein
Durchbruch für den jungen Star, was für eine Chance die Vielfalt und Tiefe
seines Talents zu zeigen.
Die
Filmversion of „The Crow“ hat Brandon Lee das Leben gekostet. Und die
Fernsehserie – obwohl sie nur ein Jahr andauerte – kostete Mark Dacascos
fast seinen Verstand. Er spielte die Rolle von Eric Draven, einem ermordeten
Musiker, der in der Form einer Krähe zurückgekommen ist, um seinen Tod zu rächen.
Lee, der versehentlich von einer Kapsel eines Filmgewehrs getötet wurde, wurde
zum Kulthelden, als der Film herauskam. Dacascos wurde fast ein tragischer Held,
17 Stunden Tage gefolgt von schlaflosen Nächten, die er im Editierwagen
verbrachte, stellten seine Welt auf den Kopf.
„Es
war wirklich, wirklich schwierig“, gibt Dacascos zu, der gerade nur Wochen
bevor die Crew ihre Zelte in Vancouver aufschlug, geheiratet hatte.
„Es
war nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch eine für mein Herz,
meine Seele und mein Privatleben. Ich hatte gerade geheiratet, und wir hatten
ein Haus in Kalifornien, aber dann arbeitete ich 60 bis 70 Stunden pro Woche in
Kanada, an einem Ort, an dem alles so dramatisch, so traumatisch war.“
„Weißt
Du, es war keine dieser fröhlichen Serien“, fügt er hinzu, mit einem ernsten
und verdrießlichen Gesichtsausdruck. „Es ging nur um Tod und Leben, und alles
war so wahnsinnig ernst. Ich fühlte mich körperlich und geistig erschöpft. In
den letzten paar Folgen hatte ich einige sehr sensible Szenen. Als Schauspieler
weiß man, je mehr Erfahrung du im Leben hast, desto mehr kannst du geben.“
Den
„Conan“ für einige Touristen zu spielen, verlieh Dacascos nicht die
Reserven, die er brauchte. „Meine Seele war wie ein Schwamm und er war völlig
ausgewunden durch das Thema der Szene“, erinnert er sich. „Ich habe versucht
alles was ich hatte hineinzustecken, aber ich wusste nicht, wie ich loslassen
konnte.“ Er konnte nicht schlafen, nicht essen, nicht ausruhen. Er war
ausgelaugt, verbraucht, ein Schauspieler der innerlich leer war.
Die
geistige Verwirrung kam zum Höhepunkt, als der Fluch von „The Crow“, ein gängiger
Ausdruck auf dem Set des Films „The Crow“, auch die Serie traf. Nach 6
Folgen wurde der bekannte Stuntman, Mark Ackersteam, getötet, als er, während
der Dreharbeiten zu einer Bootsexplosion, von einem fliegenden Metallstück
getroffen wurde. Um das ganze noch bizarrer zu machen, so war kein Stuntman –
Ackersteam eingeschlossen – in der fraglichen Szene eingesetzt.
„Wir
alle, ca. 50 oder 60 Cast- und Crewmitglieder, saßen hinter der Kamera und
beobachteten die Monitore und beobachteten dieses Boot aus der Entfernung“,
erinnert sich Dacascos. „Die Explosion erfolgte und alles schien in Ordnung zu
sein. Ein oder zwei Sekunden später hörten wir dieses Pfeifen durch die Bäume
und als nächstes hörten wir diesen Schlag und jemand schrie, und ich sah wie
Mark umfiel. Einige Teile flogen von der Explosion hoch, flogen so weit und
trafen ihn am Kopf. Es hätte jeder sein können, da wir alle innerhalb von 15
bis 20 Fuß voneinander entfernt standen.“
Es
gab Gerüchte, dass man die Show wirklich stoppen würde, dass man jeden nach
Hause schicken würde, wegen des Fluchs und wie er das nächste Mal zuschlagen würde.
Cast und Crew hatten das Gefühl, es ihnen selbst und Ackersteam zu schulden,
weiterzumachen; obwohl es so aussah, als hinge eine dunkle Wolfe über dem Set,
was durch regnerische Tage, dunkle Sets und düstere Themen betont wurde.
„Persönlich
empfand ich es nicht so, dass die Show oder das Thema von einem Fluch beladen
waren“, gibt Dacascos nicht so leicht zu. „Aber weißt Du, wenn man Mark’s
Tod betrachtet, weißt Du es hängt davon ab, wie man es betrachtet, gab es der
Show sicher einen gewissen Beigeschmack.“
Obwohl
die Einschaltquoten gut waren, war die Nachricht, dass die Serie eingestellt
wurde, eine bittersüße Nachricht für Dacascos. Einerseits hing sein Herz und
seine Seele an dem Set in Vancouver, andererseits hatte er nichts mehr zu geben.
„Ich
hätte wahrscheinlich ein weiteres Jahr machen können, aber ich denke nicht
dass ich dabei ein glücklicher Mensch gewesen wäre“, erklärt er. „Und das
ist es nicht wert!“
Stattdessen
wusste Mark, dass sein Leben nicht viel für ihn selbst und seine Frau wert ist,
bis er sein persönliches Gleichgewicht wieder gewonnen hatte. Daher verbrachte
er den größten Teil des nächsten Jahres in seinem Geburtsort auf Hawaii,
surfte, erwachte wieder, fand die verlorene Energie wieder, die er in einem Jahr
von Härte und gebrochenem Herzen verloren hatte.
„Ich
brauchte es, ich brauchte die Zeit abseits allem, um meine Energie zurückzubekommen.“
Es
war eine gut eingesetzte Zeit. Seit „The Crow“ hat Dacascos 4 Filme gemacht,
einen eingeschlossen, der ihn 6 Monate am Drehort in Frankreich festhielt –
„China Strike Force“ in Shangai, China mit Hongkong Regisseur Stanley Tong,
berühmt durch „Rumble in the Bronx, “Instinct to Kill“ nach der Novelle
Perfect Husband und „Scorcher“ mit John Rhys-Davies. Er wird später dieses
Jahr nach Französisch Guyana und Brasilien reisen, um den Film „Shaman“ zu
drehen.
Trotzdem
werden alle Augen auf seine Darstellung in „Le Pacte des Loups“ oder „Der
Pakt der Wölfe“ gerichtet sein, der im November dieses Jahres (Anmerkung der
Übersetzung: der Starttermin wurde auch für die USA auf Januar 2002
verschoben!) in die Kinos kommen soll. Seine größte schauspielerische
Herausforderung soweit, der Film, bei dem Christophe Gans Regie führte (der
auch bei dem Dacascos Film „Crying Freeman“ das Steuer in der Hand hatte)
ist ein großes Historienepos mit Action, Religion, Liebesgeschichte und
Politik, das in der rauen Landschaft des Europas im 18. Jahrhundert stattfindet.
Eine Besetzung von 250 Leuten, die durch 300 weitere und 50 Pferde vervollständigt
wurde.
„Er
hat eine der unvorstellbarsten Eröffnungsszenen seit „Der Weiße Hai““,
bemerkt Dacascos, der einen Mohikaner im Film spielt. „Ich habe noch nie so
etwas wie diesen Film gesehen, er hat ein Monster, er hat Action, er hat eine
Liebesgeschichte, er hat Pferde und Indianer und französische Soldaten.“
Um
die Rolle eines Indianers zu spielen, musste Dacascos reiten. Horsestances? Kein
Problem. Ein Pferd zu reiten, das war etwas anderes, ganz was anderes für den
selbsternannten „Surfer“. Er
wurde einige Wochen vor Drehbeginn nach Frankreich gebracht und bekam offizielle
Reitstunden.
„Ich
sagte dem Trainer, dass ich eigentlich nichts weiß,“ erinnert sich Mark
lachend. „Also setzte er mich auf ein Pferd, vergewisserte sich, dass mein Rücken
gerade war und meine Hüften locker und sagte mir, dass ich die Zügel fallen
lassen soll und meine Füße aus den Steigbügeln nehmen soll. Dann pfiff er,
und das Pferd lief im Galopp los.
Indem
ich auf das hörte, was er mir gesagt hatte und meine Instinkte einsetzte und
noch dazu meinen Körper, der das überleben wollte, konnte ich reiten, ohne
mich auf den Galopp zu versteifen. Am Ende der Dreharbeiten fühlte ich mich
ganz wohl auf einem Pferd“.
Das
gleiche könnte man über französische und mohikanische Sprache sagen. Obwohl
er Französisch auf der Schule gelernt hatte und „s’il vous plaît“ für
seinen Lehrer wiederholt hatte, ist es dennoch eine ziemliche Herausforderung für
fremde Zuschauer glaubhaft zu erscheinen. Ein 2monatiger Crashkurs durch Berlitz
gefolgt von Stunden auf dem Set, halfen die Lücken zu überbrücken. Aber auch
Berlitz hatte keine Idee, als es um die mohikanische Sprache ging.
„Bevor
ich wegfuhr, musste ich Kulturstunden in Mohikanisch bei einer Frau in Ostkanada
mit dem Namen Alice Rice nehmen,“ erklärt Dacascos. „Sie lehrte mich über
die mohikanische Kultur, Sprache und Lieder in der kurzen Zeit was sie konnte,
damit ich eine Grundlage zum Arbeiten hatte und um meine Rolle real
darzustellen.“
Am
Ende der Dreharbeiten fühlte sich Dacascos wohl. Aus 3 Monaten wurden 4 Monate,
aus denen dann schließlich 6 wurden. In der Zwischenzeit las er 3 Biographien,
2 über Napoleon und eine 500 Seiten starke über die Romanoffs, spielte Gitarre
und übte Französisch.
So
weit entfernt von Kampfkunst und doch so nah. Dacascos erhielt es aufrecht.
„Mein Kampfkunsttraining half mir mein Gleichgewicht zu bewahren, meine
Zuversicht und einfach nicht aufgeben zu wollen“, erzählt er. „Eigentlich,
alles was ich getan habe, wurde durch Kampfkunst unterstützt, da alles so neu
war. Ich benutzte Kampfkunst jeden Tag meines Lebens.“
Den
kleinen Makoa kann man wegen seiner Statur nicht übersehen. Mit 6 Monaten und
kräftigen 17 Pfund stiehlt er die Show von seinen berühmten Vorfahren. In ein
Outfit, wie aus „der letzte Kaiser“ gepackt, posiert er wie ein Profi und
geht dann mit Mami zum Umziehen und Windelwechseln. Dann können Vater und Sohn
mit einigen Techniken loslegen. Sie spielen wie alte Freunde bis Al flink das
Handgelenk dreht und Mark sich vor Schmerzen krümmt. Das wäre ein Bild wert
gewesen. „Ich glaube wir haben das letzte Mal vor 3 Jahren gemeinsam trainiert
und rumgespielt“, sagt Mark später. „Ich vermisse es von meinem Vater
gekickt und herumgewirbelt zu werden. Das vermisse ich wirklich.“
Bald
werden Mark und Makoa das gleiche Gefühl teilen, mit etwas so eng mit dem Wesen
der Familie verbundenen zu spielen.
„Ich
werde immer Kampfkunst betreiben, und zumindest die ersten Jahre wird mein Sohn
Kampfkunst lernen,“ verspricht Mark. „Ob Schauspieler oder nicht, ich werde
immer Kampfkunst praktizieren, weil Kampfkunst in unserer Familie liegt, wie
Essen und Schlafen, es ist Teil unseres Lebensstils. Ich habe nicht Kampfkunst
betrieben, um zum Schauspielen zu kommen, das sind zwei völlig verschiedene
Dinge; zwei Teile meines Lebens, die sich an einem guten Tag miteinander
verbinden und mich wirklich glücklich machen. Heute ist so ein Tag.“
Es
ist eine wunderbare Zeit, um Mark Dacascos zu sein.