Impact UK Dezember 2001, # 120

von John Mosby
Übersetzung: M. Köhler
Nimm „Der
Weiße Hai“, füge etwas von „Gefährliche Liebschaften“ dazu, mische
es mit einem Hauch von Horror aus Hammer und etwas mehr von hochkarätiger
Kampfkunst. Dann hol Dir die Jim Henson Firma, um Dir ein bösartiges Monster zu
bauen. Ach ja und dann dreh das ganze auf Französisch. Es mag wie die größte
finanzielle Pleite klingen, oder gegen aller Wahrscheinlichkeit einfach das
beste was dem Aktionfilm in den letzten Jahren passieren kann.
John Mosby schaut sich den sagenhaftesten und vielversprechendsten Film des Jahres 2001 an, “Der Pakt der Wölfe”, und spricht über die Zukunft des Aktionfilms mit Mark Dacascos und Christophe Gans.
Mark
Dacascos sitzt mir am Tisch in einer Hotelsuite im Zentrum von London gegenüber
und zuckt mit den Achseln. Er mag wohl in der Stadt sein, um seinen neuesten
Film zu promoten, aber eigentlich haben wir damit angefangen uns über die
Vergangenheit und die Zukunft des Aktiongenre zu unterhalten.
„Um
ehrlich zu sein, ich würde für die meisten der Filme, die ich gemacht habe,
nicht ins Kino gehen. Ich liebe Dinge mit Tiefe und Sinn. Ich habe versucht nie
einen Film zu machen, den ich nicht mag; ich habe immer versucht etwas Herz zu
finden – und das kann schwer sein. Hauptsächlich in Amerika wird gerne,
sollte Herz und Seele in
einem Film vorhanden sein, dies zu Gunsten von mehr Aktion herausgeschnitten.
Mir gefallen Dramas und romantische Komödien, oder Sachen, die einfach anders
sind, etwas was mich schockiert. Ich glaube „Der Pakt der Wölfe“ macht
das."
Die
Zusammenfassung seiner Arbeit ist ein ziemliches Geständnis, eines dass im
krassen Gegensatz zu dem Genre steht, in dem der Schauspieler und Kampfkünstler
seinen Namen gemacht hat. Aber er vertritt gleichzeitig seinen Punkt. Der
Schauspieler, die Industrie und das Genre sind im letzten Jahrzehnt reifer
geworden.
Während
Videoregale sich immer noch unter dem Gewicht der „Straight-to-Video“ Filme,
billiger Fernsehfilme oder jahrzehnte altem, neuaufgemachten Heldenmaterial
biegen, waren sie eine Sackgasse für ein Genre, dass der normale Kinogänger
nie ernst nahm. Impact-Leser wissen, dass es viele Diamanten in harten
Kampfkunstfilmen gibt, aber es war nie leicht wirkliche Originale Juwelen unter
den Stereotypen zu finden. Wenn Kampfkunstfilme neben anderen Genres bestanden,
mussten sie immer zeigen, dass sie die Erwartungen der Leute übertrafen und
mehr sind als nur das Filmgegenstück zu einem „Big Mac, den man mit nach
Hause nimmt“. Sie mussten sich selbst beweisen. Mit dem jüngsten Film
„Tiger and Dragon“ und nun „Der Pakt der Wölfe“ scheint es, dass die
Zeit des Genres jetzt in ziemlich spektakulärer Weise gekommen ist. Ob Dir der
Film gefällt oder nicht, ist fast belanglos. Das Potential, das er darstellt
ist der Schlüssel.
Der
Film spielt in Frankreich in den 1770ern und ist durch einige tatsächliche Vorfälle
inspiriert, die während der Regentschaft von Ludwig XV statt fanden.
Die
Bauern von Gevaudan leben in Angst vor einem unbekannten, nur kurz gesehenen,
Monster, das auf gut Glück zuschlägt. Wolfsähnlich, aber viel größer, es
schnappt Männer, Frauen und Kinder und tötet sie ohne Gnade.
Ist
es wirklich ein Tier, oder, was einige glauben, eine heilige oder satanische übernatürliche
Kreatur, die auf Wunsch einer höheren Kraft tötet? Es gelingt den Jägern
nicht, das Monster aufzuspüren und daher schickt der König, Gregoire de
Fronsac (Samuel LeBihan), einen anerkannten und aufgeklärten Wissenschaftler,
um zu sehen, ob er einen Weg finden kann, das Tier zu fangen oder zu töten. Er
bringt seinen geheimnisvollen und fast stummen Gefährten, Mani (Dacascos) mit,
der den heiligen Herren im Gevaudan, mit seinen naturverbundenen Vorgehensweisen
Unbehagen bereitet. Wie auch immer, es wird schnell klar, dass beide Männer
Kampffähigkeiten besitzen, um über die meisten ersten Angriffe hinwegzusehen.
Fronsac
stellt bald fest, dass das Monster, das geringste ihrer Probleme ist. Schnell
ist er in einem Netz aus Politik und Täuschung
verstrickt und fühlt sich von beiden, Marianne de Morangais (Emilie Dequenne)
und der geheimnisvollen Kurtisane, Sylvia (Monica Bellucci) hingezogen und Mani
bereitet alles vor, um mit dem Monster selbst fertig zu werden.
Dacascos
gibt offen zu, dass, während immer noch ein Markt für die schnellen und
einfachen Kampfkunstfilme vorhanden ist, es das Format des Genres ist, das noch
kritische, normale Zuschauern abhält.
„Ich
denke Kampfkunstfilme hätten viel früher hochkommen können, aber viele Filme
haben hauptsächlich Hongkong Schauspieler oder Aktionfans zufrieden gestellt.
Viele
haben sich nicht um die Leute oder die Beziehungen gekümmert, sie wollten nur
Leute kämpfen sehen.“ sagt Dacascos weiter.
„Ich
denke, was die Produzenten solcher Filme nicht verstehen ist, dass, wenn man
sich um die Charaktere kümmert, man nicht nur Zuschauer bekommt, die Kampfkunst
mögen, sondern auch Frauen. Wenn man sich um die Charaktere kümmert, bedeuten
die Kämpfe viel mehr. Als „Tiger and Dragon“ nach USA kam, war er ein
Erfolg, da den Frauen die Liebesgeschichte und den Männern auch die Aktion
gefallen hat.
Als
Schauspieler habe ich das Genre eine Weile gemacht. Ich brauch als Schauspieler
eine Herausforderung. Ich sehe mich nicht zu Dingen zurückzukehren, die ich vor
10 oder 15 Jahren gemacht habe. Ich habe von den Filmen gelernt, aber Tatsache
ist, ohne Bezug zu den Leuten funktioniert es nicht. Wenn man gute Kampfkunst
sehen will, dann soll man zu einem Wettkampf gehen oder zu Stunden in einer
Schule.“ Dacascos war einige Zeit ein bedeutender Name in der
Kampfkunstarena mit seinen besonders bemerkenswerten Auftritten in „Crying
Freeman“ (bei dem auch Christophe Gans Regie führte) und der vom Film „The
Crow“ abgeleiteten Serie. Wie auch immer, hat „Der Pakt der Wölfe“ bereit
für viel Aufruhr bei Filmfestivals und im Netz gesorgt, was ernsthaft beweist,
dass er ein bemerkenswerter Schritt in solide Dramas und eine Visitekarte ist,
die ihm mehr Möglichkeiten bietet.
„Ja,
das ist eine Möglichkeit und es wäre nett! Das Wichtige and dem Film ist, dass
er nicht nur Aktion und Kampfkunst enthalten, was die Hardcore Aktionfans
begeistern wird – sondern er auch auf französischer Geschichte basiert. Die
erste Hälfte des Films basiert im Wesentlichen auf Material, das Christophe
nachgeforscht hat. Es ist ein historisches Drama, aber wir haben auch ein
Monster. Dann gibt es Politik, Religion und Dinge, die mit Rassen und
Spiritualität zu tun haben. Wir sprechen eine
Vielzahl unterschiedlicher Zuschauer an, die etwas in dem Film finden können,
was ihnen gefällt.
Was
die visuelle Seite angeht, ist es ein Augenschmaus, eine Extravaganz, da so
viele Texturen enthalten sind.
Christophe
ist so genau. Jedes Stück Material, die Kleider, der Ton. Man kann es als 1 ½
stündiges Musikvideo betrachten, wenn man will, aber wenn man verschiedene
Dinge über Geschichte und Spiritualität lernen will, kann man das auch.
Der
Film ist absurd, aber im positiven Sinne.
Christophe
befolgt keine Regeln. Er überschreitet alle Grenzen, er kopiert nie. Er macht,
was in seinem Herzen und seinem Kopf ist. Ich meine, die Eröffnungsszene des
Films ist wie „Der Weiße Hai“ aber sie findet an einem Berg statt, und man
hat einen Indianer, der Französisch spricht. Überleg Dir das mal.“
Die
bemerkenswerte Eröffnungsszene (bei der wir mehr die Auswirkungen des Angriffs
des Monsters sehen, als das wirkliche Geschöpf) hat einen hohen Standard
gesetzt und bleibt lange nachdem der Film zu Ende ist noch im Gedächtnis. Mark
liegt richtig mit der Qualität der Cinematography und dieser entsetzlichen, ja
erstaunlich verfilmten Sequenz, die die Zuschauer sofort aufweckt, auf die
gleiche Weise wie ein gewisser Haifilm es vor 25 Jahren zustande gebracht hat
... es ist heute nicht weniger erfrischend und kraftvoll.
Wenn
die eigentliche Cinematography herausragend ist, dann ist die Kampfchoreographie
auch etwas sehenswertes.
Philip
Kwok, der auch mit John Woo an „Hard Boiled“ und „James Bond 007: Der
Morgen stirbt nie“ gearbeitet hat, wurde einberufen, um an dem Film zu
arbeiten.
„Wir
haben Philip für den Film einfliegen lassen. Er ist ein 50jähriger Choreograph
und Stuntman und wahnsinnig talentiert. Er konnte alles, was wir machten, nur
besser. Ich bin wirklich von solchen Leuten begeistert. Da mein Hintergrund aus
der Kampfkunst stammt, ist es nett aus meiner natürlichen Welt herauszugehen,
in andere Richtungen begeistert zu werden und dann zur Kampfkunst zurückzukehren.
Momentan bin ich in einem Schwimmteam. Ich bin stolz, sagen zu können ich bin
das Schlusslicht des Teams. Ich bin der langsamste. Aber ich wollte etwas
machen, worin ich nicht gut bin. Das Durchschnittsalter des Teams ...., die sind
alle zwischen 48 und 55. Die Jungs
überholen mich dauernd.“
Mark
stimmt auch zu, dass die Art der Kämpfe einen Film machen oder zerstören können
und denkt, dass ein klassischer Stil wahrscheinlich wieder in Mode kommt.
„Das
Interessante an Choreography ist, wenn man Bruce Lee in seinen Filmen ansieht,
sind viele seiner Bewegungen elementar und fundamental im Vergleich zu den
gewaltigen und verrückten Bewegungen von heute. Aber der Grund warum es
funktioniert hat ist die Tatsache, dass man von dem Charisma, der Leidenschaft
und der Energie begeistert war. Es war nicht was er tat, sondern viel mehr wie
er es tat. Der Schlag, der Blick, der Katzenschrei. Es war cool, weil es ER war.
Ich glaube, dass der Trend weg geht von "was sie tun" zu "wer es
macht und wie". Meine Lieblingsfilme sind
immer noch von Bruce Lee, dann alte Jackie Chan und Jet Lee’s „Shaolin
Temple“, bei dem, wie ich meine, keine Kabel benutzt wurden. Es war einfach
ein enormer Athlet und Schauspieler, der diese Dinge vor der Kamera machte, wie
Gene Kelly und Fred Astaire. Die Ausführung war ausgezeichnet!“ erklärt Mark
.
„Ich
will heutiger Choreographie nicht mindern, aber man könnte eine Mischung aus
beiden bekommen. Momentan schaut es so aus, dass man einen Nicht-Athleten oder
jemanden der keine Kampfkunst kann, nehmen kann, und mit einem ausgezeichneten
Choreographen und einem Stuntdouble kann alles funktionieren. Ich denke man
verliert etwas Herz und Seele dabei.“
„Man
fragt mich, ob es ein geradliniger Historienfilm ist. Ich sage, Oh, nein! Es hat
was von einem japanischen Comic! Ich hab versucht einen Weg zu finden, einen
französischen Film über das 18. Jahrhundert zu machen wie „The Wild wild
west“, bei dem ich einen historischen Hintergrund benutzte, um etwas
Phantasmagorisches daraus zu machen.“ offenbart Christophe Gans.
Ich wollte einen Film machen, bei dem wir keinen Komplex haben brauchten, wir anfangen und Spaß mit allem haben. Für mich war es sehr französisch. Als Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“ schrieb, machte er das Gleiche. Du nimmst eine historische Situation und fügst einen Mord hinzu, eine geheime Passage, Gift, Inzests und ein fantastisches Element und Du kannst einem Kultfilm daraus machen. Ich denke es war in Frankreich gerade die richtige Zeit, um das zu machen.“
„Genauer
gesagt, was ihnen an meinem Film gefiel, ist was sie in Hollywood nicht
bekommen“, behauptet Gans. „Deshalb, glaube ich, müssen wir in Europa
bleiben und mit dem arbeiten, was wir haben. Das kann exotisch sein. Wie in den
60er Jahren, als die Hammer-Filme aus England und die Spaghetti Western von
Sergio Leone in den Kinos der ganzen Welt liefen.“
Es
ist offensichtlich, wenn man die Begeisterung in seinen Augen sieht und
seinen eifrigen Worten zuhört, dass Gans glücklich darüber ist, dass
der Film Erfolg hat. Es geht hier nicht um Eröffnungszahlen, obwohl „Der Pakt
der Wölfe“ in Frankreich sehr gut ankam. Es geht um die Kreativität. „Mein
größtes Vergnügen ist es, selbst heute noch Filme anzusehen. Ich habe die
unglaubliche Gelegenheit, die Grenze zu überschreiten und den Leuten etwas
dieses Vergnügens zurückzugeben.
Ich
bin immer noch derselbe. Es gefällt mir auf dem Set zu sein, aber mich selbst
wie im Kino zu fühlen. Ich zahle gerne Geld für eine Karte und hoffe, etwas zu
sehen, was mir gefällt.“
Christophe
gibt zu „ich bin bereit in ein
Flugzeug zu steigen, um mir einen Film anzusehen. Ich bin gerne wegen Filmen
verrückt; sie sind die Leidenschaft meines Lebens. Als ich 12 Jahre war, hatte
ich ein unglaubliches Erlebnis. Es war die Zeit der italienischen Thriller und
der Spaghetti Western. Es war erstaunlich ins Kino zu gehen und all diese
Legenden zu sehen.
Wenn
ich einen Film wie „Der Pakt der Wölfe“ mache, ist der erste Zuschauer, den
ich mir vorstelle, ich mit 12. Indianer, Tätowierungen, Tomahawks, Kämpfe....
Mir gefällt das. Das Kino ist ein spitzen Spielzeug, wenn du auf einem großen
Set mit viel Geld auftauchst.“
Gans
und Dacascos werden bald wieder zusammenarbeiten. „The Adventurer“ soll später
nächsten Jahres in London gefilmt werden und erzählt die Geschichte des Übernatürlichen,
das das London der 1950er unsicher macht. Dacascos hofft auch mit dem „Mantis“-Projekt
(das auf der Novelle von Richard LaPlant basiert)
weiterzukommen, obwohl es immer noch kein fertiges Skript gibt.
Neben all
der Arbeit auf der Leinwand, möchte Mark mehr Zeit zu Hause verbringen, Windeln
wechseln und zu helfen seinen Sohn aufzuziehen. „Nun,
das ist wirklich Arbeit“, lacht er.