13thstreet.com/ Januar 2002

vom lachenden Jack Ruby
Übersetzung: M. Köhler
Der runde
Tisch in Los Angeles für den Film „Der Pakt der Wölfe“ war eine heitere
Angelegenheit, ratet warum? Es war nur ein Schauspieler der Besetzung da – der
Kampfkunststar Mark Dacascos – da der Rest der Besetzung schon lange Gelage
abgehalten hat, als der Film in Europa in die Kinos kam (und es ist noch gar
nicht so lange her, am Toronto Filmfestival.)
Aber
Dacascos war alles was wir brauchten, als der humorvolle Actionstar, der den
Irokesen Mani in dem Film spielt, ein Durcheinander auslöste, indem er Stücke
von Ginseng verteilte, die er den ganzen Tag mampfte, um seine Energie zu halten
(für die Unterlagen: die LA Presseleute in meinem Raum lehnten alle ab es
auszuprobieren – mit Ausnahme von mir und Andy Jones von EL, natürlich! –)
er zeigte uns wie man es kaut und erklärte uns unkonventionell wie es unsere
Libido beeinflussen würde.
So oder so,
Dacascos führte uns durch seine Rolle und stand sogar auf, um etwas Kampfkunst
vorzuführen, da wir den „Pakt der Wölfe“ diskutierten, bei dem er ein
zweites Mal mit Christophe Gans zusammenarbeitete und einen selten-sprechenden
aber immer kämpfenden Indianer in
der Wildnis Frankreichs spielte, der ein geheimnisvolles Monster jagte.
Die hauptsächlichen
Fragen waren, wie sollen wir es sagen, seltsam, aber er nahm es mit Humor.
Also
du bist kein Franzose?
Verriet
es der Akzent? Oder das Ginseng? (lacht). Mein Vater ist eine Mischung aus
Chinese, Spanier und Philippino, meine Mutter ist halb Irin halb Japanerin.
Griechischer Nachname auf Hawai geboren, in Deutschland aufgewachsen.
In
all Deinen Filmen hast Du wie viel von der Kampfchoreographie selbst gemacht?
Was die
Choreographie angeht, so hatten wir immer Glück mit guten Choreographen
zusammenzuarbeiten, was es angeht die Bewegung zusammenzusetzen, so habe ich
vorher nicht viel gemacht. In einem Film der „Crying Freeman“ heißt, den
Christophe und ich vor 7 Jahren
gemacht haben, stellten Christophe, der Stuntman und ich die letzte Kampfszene
zusammen; aber was „Pakt der Wölfe“ angeht und andere Filme, hatten wir
immer ausgezeichnete Talente. Was ich machte war, ich ging rein und änderte es
nach meiner Interpretation ab.
Was
war mit „Drive“?
Bei
„Drive“ war es Koichi Sakamoto. Koichi Sakamoto ist ein brillanter
Choreograph und hat ein super Stuntman-Team. Er setzt einfach die Bewegungen
zusammen und fragt, kannst Du das machen. Und ich sagte, ich hoffe es. Und wir
machten es.
War
es purer Zufall, dass Du die Rolle bekommen hast, oder gab es eine großflächige
Umfrage nach einem Kampfkünstler?
Nun, für
diesen Film sagte mir Christophe, das er den Charakter geschrieben hat, und mich
im Sinn hatte (Bemerkung vom lachenden Jack: Etwas, worüber Gans besonders in
unserem Interview später diese Woche eingeht), da wir bei „Crying Freeman“
zusammengearbeitet haben. Also hatte ich Glück, dass ich derjenige war, an den
er gedacht hat.
Was
denkst Du über die Rolle?
Das
Wichtige an Mani ist, dass er so einfach, ehrlich und wirklich ist. Das war
nicht nur sehr seltsam im 18. Jahrhundert in Frankreich, sondern es ist
wahrscheinlich auch ziemlich seltsam im heutigen Amerika, einfach und
erdverbunden zu sein und wirklich das zu machen, was man sagt und sagt, was man
tut. Ich denke, das ist Mani. Zusätzlich dazu, kann ich kämpfen, Pferde
reiten, und in Frankreich in einem riesigen Film mit Kampfkunstaction mitwirken.
Was
weißt Du über die Geschichte der Kampfkunst in Frankreich und bei den
Indianern?
(macht
Witze) Komm schon! Sie machten das. Es ist wahr, dass Christoph sich Freiheiten
bei den Waffen genommen hat, aber es ist auch eine Tatsache, dass wir in
Amerika, wenn wir an Kampfkunst denken, wir an asiatische Einflüsse – Kung Fu
oder Karate denken. Tatsache ist aber, überall auf der Welt hatte man seine
einheimische Art zu kämpfen, da leider die Leute immer kämpfen. Weiß
Du, ob es nun Ritter in strahlender Rüstung oder in Brasilien und Afrika
Capoiera ist, oder etwas anderes; die Leute haben verschiedene Arten zu kämpfen.
Tatsache ist, ein Front Kick ist immer in Front Kick. Was einen Front Kick
ausmacht, ist meiner Meinung nach das davor und danach. Vor der Ausführung und
danach . Zum Beispiel:
(Zu dem
Zeitpunkt, wenn man das Audioband dieses runden Tisches anhört, hört man, wie
ein Stuhl zurückgeschoben wird, Dacascos’ Stimme klingt einen Moment
entfernter und dann das Stöhnen und eine Luftbewegung
des Kampfkünstlers, in dem er erst einen Front Kick im „Karate“-Stil
und dann im „Kung –Fu“-Stil demonstriert.
Das ist keine einfache Aufgabe in einem kleinen Hotelzimmer im
„Vierjahreszeiten“ in Beverly Hills)
Aber
Tatsache ist, das Knie muss immer hoch kommen und der Fuß muss raus gehen und
wieder zurückgehen. Es bleibt ein Front Kick.
Während ich
die Kampfszenen als Mani machte, war es für mich vertretbar, dass er
„Kicken“ konnte. Sicher, die Choreographie und die Energie ging etwas darüber
hinaus, aber es ist ein Film. Tatsache
ist, wenn jemand von 5 oder 6 unterschiedlichen Leuten angegriffen wird, und du
benutzt deine Hände und deine Hände sind
beschäftigt, warum würdest du dann keinen Kick machen? Du weiß, was
ich meine?
Die
Herausforderung lag darin, diese Hongkong Stil Action Energie reinzubringen und
es immer noch für den Charakter plausibel
zu machen, und Christophe wollte
absolut diese hochgeladene Hong Kong Action, daher nahm er Philip Kwok dazu.
Christophe gab die Idee der Kampfszene an Philip, Philip stellte die Bewegungen
zusammen und dann lag meine Aufgabe darin, die Bewegung von Philip zu bekommen ,
sie auszuführen und so zu interpretieren, wie ich dachte, Mani hätte es
gemacht. Nicht wie ein Stilist, sondern als normaler Mann, der kämpfte. Daher
nahm ich die Ecken raus. Wenn du dir die Kampfszenen ansiehst, sind die Kicks
gebogen und es gibt keine Haltung vor oder nach der Technik. Ich versuchte alle
Ecken herauszunehmen, da im chinesischen Kung Fu alles sehr eckig und abgehackt
ist. Du wirst mich nicht sehen, dass ich mich nach einer Kampfkunstrichtung
richtete, sondern mehr natürlich kämpfte. Also ja, es war ein
Prozess in drei Schritten, was das angeht. Einige der Waffen kamen aus
Christophs verrücktem Hirn, einfach wilde Sachen.
Ich
hatte das Monster noch nicht einmal gesehen.
Was wurde
benutzt? Ein Kopf auf einer Stange oder so?
Nichts.
Nichts war da. Christophe würde sagen “das Monster ist da drüben und macht
das“. Ok, Los geht’s (lacht). Du machst das einfach! Es war nichts da. Ich
hatte nur einige wenige Shots mit dem echten Monster. Samuel Le Bihan und Emilie
Dequenne hatten eine ganze Szene drin, also ich weiß nicht sicher, wie sie das
gemacht haben.
Wo liegt
die Herausforderung, gegen jemanden zu kämpfen, der nicht wirklich da ist?
Nun es
wurde mehr technisch als alles andere, denn nur um eine Blickrichtung zu
bekommen, musste ich fragen, wie groß ist das Monster? und wo sind seine Augen?
und etwas mit dem man spielen konnte, und zu dem Zeitpunkt waren sie sich selbst
nicht sicher. Christophe wusste was er wollte, aber alles war noch im
Fortschreiten.
Also
versuchte er mir zu erklären, was er wollte und von dem spekulierte ich
und basierte ich meine Reaktion. Es war sehr technisch und sehr schwierig, aber
du stellst dir was vor, und du glaubst es.
Wirst Du
über die erste Kampfszene sprechen, - die Kampfszene mit der Crew?
Die
Kampfszene ist nur 1/3 von dem, was wir gerettet haben. (Anmerkung vom Lachenden
Jack: auf der franz Version: auf der 3set DVD Version ist die ganze Szene mit
Samuel Le Bihan.) Wir drehten fast 2 Wochen an dieser Eröffnung. Aber wie ich
schon sagte, man sieht im Film nur 1/3. Also die kompletten 3 Teile dauerten 2
Wochen. Es war schwierig, ich weiß nicht , ob man das erzählen darf, aber wir
waren auf einem Hang eines Berges. Es
war dort schlammig. Christophe nahm diese riesigen Regenmaschinen her, also war
es glitschig! Wir trugen diese Kleidung – diese Ledermäntel – und dann
wurden sie durch und durch nass, einfach durchnässt.
Sie fühlten
sich 20 oder 30 Pfund schwer an – ein Viertel meines Körpergewichts. Wir
trugen Neoprenanzüge darunter, es war nicht nur schwer und hinderlich, sondern
wir froren auch noch, im Schlamm, mit dem Regen in den Augen.
Christophe würde
sagen, dann bedecke deine Augen. Wenn ich meine Augen bedecke, dann kann ich
nichts sehen. Wie soll ich da kämpfen?
Das beste
daran ist, dass du wirklich in dem Augenblick bleibst. Verstehst Du, kein
Schauspielern erforderlich. Du versuchst nur deine Bewegung zu machen – das
ist das einzige, was du machen musst – und versuche nur durch die Kampfszenen
durchzukommen.
Was
sehen wir davon nicht im Kino?
Die 2.
Sequenz des Kampfs, als Samuel Le Bihan gegen die Jungs kämpft und die 3.
Sequenz, bei der wir als Team kämpfen. Die Jungs wurden immer wieder geschlagen
– sie bekamen 3mal Schläge – es wurde überflüssig (lacht), aber es machte
Spaß!
Hast Du
irgend welche Nachforschungen über indianische Mythologie für diese Rolle
angestellt?
Sicher.
Ich bin aus Hawaii, ich bin überhaupt kein Indianer. Christophe und ich, beide
wollten so viel Authentik in die Rolle bringen – in ihren geistigen Glauben
und die Art wie er lebte – daher arbeitete ich mit einer Mohawk
Kulturlehrerin. Sie ist aus Kanada, vom Stamm der Mohawk, spricht die Sprache
und, ob man es glaubt oder nicht, kommt vom Stamm „der Wölfe“, das war so
perfekt für den Film.
Sie sang
Lieder in der Mohawk Sprache für mich, dass ich den Rhythmus und die Musik hören
konnte, da es eine ganz andere Sprache ist. Sie sprach mit mir über einige der
geistigen Glaubensrichtungen, zeigte mir das Reinigungsritual mit Salbei und
Tabak. Sie sprach mit mir über einige Glauben und die Mohikaner allgemein.
Von ihr eins
zu eins zu lernen in Verbindung mit dem Lesen des Buchs und mit anderen zu
sprechen, die Wissen über die Kultur und das Script hatten – das Script hatte
schon so viel enthalten – so fand ich meine Rolle.
Da du in
Amerika bist und Du die Veröffentlichung aus der Ferne beobachtest, warst Du überrascht,
dass er in Frankreich so gut ankam?
Ja und
Nein. Ich war ziemlich sicher, dass die Leute den Film sehen wollten, nur weil
– er so anders war – so viele verschiedene Genres. Einige der Szenen
erinnern an den „Weißen Hai“ an einem Berg. Sehr seltsam! Und da es eine
ziemlich große französische Produktion war, was Finanzen und Logistik anging,
dachte ich, dass die Leute daran interessiert wären und es daher anfangs sehen
wollten. Ich war mir nicht sicher, ob ihnen schließlich all das gefiel, was sie
sahen. Aber in Frankreich, glaube ich, haben über 5 Mio. Leute den Film im Kino
gesehen, und das bei einem Land mit einer Bevölkerung von 60 Mio.